Kultur : Spieglein, Spieglein

Ein deutsches Märchen-Allerlei: „7 Zwerge – Männer allein im Wald“

Frank Noack

Er ist zurück, aber spielt nur eine Nebenrolle. Otto Waalkes, Deutschlands erfolgreichster Filmkomiker der achtziger Jahre und zuletzt mit „Otto – der Katastrofenfilm“ (2000) noch mäßig erfolgreich, feiert sein Leinwand-Comeback als ein Komiker von vielen, genauer: als einer von sieben Zwergen. Wohl darf er seine Rolle etwas ausführlicher zeichnen als die anderen, aber es hilft nichts: Otto hat keine starke Leinwandpräsenz, sobald er von starker Konkurrenz umgeben ist.

Immerhin: Fast die gesamte Elite der deutschen Fernseh-Comedy hat sich um den Altstar versammelt. Mirco Nontschew ist dabei, Helge Schneider, Atze Schröder, für ein paar Sekunden sogar Harald Schmidt. Wobei man nicht behaupten kann, die vielen Köche hätten den Brei verdorben. Der ganz große Genuss allerdings will sich nicht einstellen.

Das Märchen-Allerlei „7 Zwerge“ gründet in erster Linie auf Schneewittchen (Cosma Shiva Hagen), das die sieben Zwerge vor der bösen Königin retten wollen. Daneben tauchen Rotkäppchen und Rapunzel auf. Modern will man sein. Also bilden die Zwerge eine Männer-WG. Von den Frauen verschmäht, haben die sieben Waldgemeinschaftler beschlossen, nie wieder einer Frau in die Augen zu sehen.

Die Dramaturgie, sofern man den Begriff hier anwenden darf, folgt dem Prinzip der Nummernrevue, eine Parodie auf den Vorspann von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ inklusive. Doch Vorsicht: Im Kino ist der Zuschauer konzentrierter als vor dem Fernseher. Gags werden hier nicht beliebig zwischen Werbeunterbrechungen serviert, sondern treiben gefälligst die Handlung voran.

Regisseur Sven Unterwaldt hat mit der Ralf-König-Comic-Adaption „Wie die Karnickel“ für derbe, spätpubertäre Lacher gesorgt. In „7 Zwerge“ nun setzt er augenzwinkernd auf Kitsch und Romantik. Am Computer wurden Landschaften aus „Der Herr der Ringe“ kopiert. Alles hübsche Kulisse – aber wollten wir nicht auch ein bisschen lachen? Der Höhepunkt an Komik: Otto probiert Pilze, von denen jeweils das Gegengift für den nächsten sein soll.

Einen Trumpf aber hat Sven Unterwaldt doch zu bieten: Nina Hagen. Der deutsche Film hat bisher einen Bogen um die Rock-Röhre gemacht; als böse Königin ist sie grotesk und grandios. Wenn sie nicht immer herumalbern würde, könnte sie sogar unseren Bühnen- und Leinwandtragödinnen Konkurrenz machen. Mag sein, dass es wenig zu lachen gibt in „7 Zwerge“. Aber dank Nina Hagen gibt es viel zu staunen.

In Berlin in 21 Kinos

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