Kultur : Spiel mir das Lied vom Überleben

40 Jahre Berliner Symphoniker

Frederik Hanssen

Friedbert Pflüger war ihre große Hoffnung: Der CDU-Spitzenkandidat hatte den Berliner Symphonikern wieder staatliche Finanzhilfe versprochen. Nun, mit der Politik hatte das Orchester selten Glück: Schon 1993 und 1998 sollten die bescheidenen Subventionen des Ensembles gestrichen werden. Im März 2004 beschloss der rot-rote Senat das Ende der Förderung. Dennoch feiern die Berliner Symphoniker heute ihr 40. Gründungsjubiläum – erhobenen Hauptes und mit dem Dirigenten Lior Shambadal, der seit 1997 ihr Chef ist. Eine Phalanx namhafter Solisten – von Guy Braunstein, dem Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, über die Sopranistin Eva Mei bis zum Pianisten Vladimir Stoupel – tritt ohne Gage auf.

Konzertbeginn ist um 16 Uhr. Die nachmittäglichen Auftritte in der Philharmonie sind ein Markenzeichen der Berliner Symphoniker, ebenso ihre Kinder- und Jugendarbeit. Man hat sie die „Philharmoniker der lower class“ genannt, doch eine Wohltätigkeitskapelle war das Orchester nie. Nach dem Gründungskapellmeister C. A. Bünte gelangen den Musikern unter ihren Chefdirigenten Theodore Bloomfield (1975–1982), Daniel Nazareth (1983–1985), Alun Francis (1985–1995) und Shambadal immer wieder höchst konkurrenzfähige Interpretationen der Repertoire-Klassiker.

Begonnen hat alles mit dem Bau der Mauer: Wer im Ostteil seinen Job hatte, aber im Westen wohnte, wurde arbeitslos – auch viele Musiker. Darum entschied der Senat 1966, zwei private Ensembles zu einem staatlich geförderten Orchester zusammenzufassen. Aus dem „Berliner Symphonischen Orchester“ und dem „Deutschen Symphonie-Orchester“ wurde das „Symphonische Orchester Berlin“, kurz „SOB“. Schnell fand die Truppe den rechten Ton, für Heiterkeit sorgte bei Auslandstourneen allerdings das Kürzel – heißt doch „to sob“ im Englischen „schluchzen“. Mit der Umbenennung in „Berliner Symphoniker“ zollte man der Weltgeschäftssprache Tribut.

Die Hoffnung auf Subventionen hält Intendant Jochen Thärichen aufrecht. Von der SPD ist zwar kaum Hilfe zu erwarten, doch bei deren potenziellen Partnern gibt es Sympathisanten. Und Pflüger? Vielleicht kauft der neue Oppositionsführer ja ein Abo?

Infos unter www.berliner-symphoniker.de oder Tel.: 321 10 17

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