SPIEL Sachen : Fuchs, du hast das Huhn gerettet

Das Theaterkritikerleben ist momentan nicht reich an Höhepunkten. Deshalb ist es an der Zeit, mal ausgiebig dem Berliner Ensemble zu danken! Christine Wahl freut sich über Post vom Ensemble.

Christine Wahl

Pressemitteilungen von der Peymann-Bühne sind immer wieder eine wahre Freude: Während andere Theater sich auf die Ankündigung neuer Inszenierungen oder Personalien beschränken, hält uns das BE wie ein treuer Verwandter über sein Innenleben auf dem Laufenden. Dabei werden nicht nur quasi stündlich Zuschauerrekorde gebrochen. Manchmal hat der Intendant Claus Peymann auch einen sehr langen und unter Umständen bis ins Ausland verschlungenen logistischen Hürdenlauf zu meistern, wenn kurzfristig eine Umbesetzung vorgenommen werden muss. Dann wird uns kein noch so minimaler genialischer Zwischenhüpfer vorenthalten. Kurzum: Je ferner wir dem Haus real bleiben, desto näher rückt es virtuell an uns heran.

Der Monatshöhepunkt aus der BE-Presseabteilung erreichte uns kürzlich unter der Headline „Fuchs rettet Huhn“, bezog sich auf eine Vorstellung von Kleists „Zerbrochnem Krug“ und lautet wie folgt: „Eines der 12 Hühner, die am Anfang der Inszenierung von Peter Stein die Bühne bevölkern, verließ das Zimmer des Dorfrichters Adam (Klaus Maria Brandauer!) und sprang beherzt in den bis auf den letzten Platz ausverkauften Zuschauerraum. Eine der zwei Mägde mit dem beziehungsreichen Namen Larissa Fuchs ... sprang dem flüchtenden Huhn nach und fing unter atemloser Stille des gesamten Auditoriums den Ausreißer unter Zuhilfenahme eines Zuschauers wieder ein. Standing Ovations.“

Nun kann man sich auf derartige spontan-schauspielerische Highlights – gepaart mit Bedeutungskomplexität – bei einem Theaterbesuch leider nicht zwingend verlassen. Diese Woche, in Lorcas „Doña Rosita“, haben im BE zum Beispiel keine Tiere mitgespielt. Eine 90-prozentig sichere Methode, sich Huhn, Fuchs & Standing Ovations selbst zu organisieren, bietet dafür der Theatersport: Bühnenpiraten am Sonntag, 20 Uhr, in der Komödie am Kurfürstendamm. Hier ist die Improvisation das Kerngeschäft: Mit spontanen Einfällen wird um die Gunst des Publikums gespielt.

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