SPIEL Sachen : Im Würgegriff der Libido

Wer hätte gedacht, dass das Theater mitten im Sommerloch noch mit derart komplexen Seinsdebatten aufwartet?, fragt Christine Wahl.

Christine Wahl

„Gibt es sie wirklich, die schwule Identität?“, fragt der Theaterdiscounter, der vorübergehend in den Sophiensälen Asyl gefunden hat. Unter dem Motto „Jeder & Solche – Eine Betriebsstörung“ präsentieren der Regisseur Michael Müller und sein Ensemble heute und morgen, jeweils 21 Uhr, entsprechende Fakten und Überlegungen zum Thema. Durchgekaut werden dabei nicht nur wissenschaftlich verbriefte Erkenntnisse zum Testosteronpegel in männlichen Gehirnen. Auch die Vokabel „schwul“ wird sprachphilosophisch derart gründlich durchleuchtet – nämlich einerseits als positive Selbstbenennung und andererseits als Schimpfwort –, dass die Gender-Theoretikerin Judith Butler ihre helle Freude hätte.

Reproduktionsmythen, radikale Ansichten, schweigsame Körper sind auch wesentliche Ingredienzien beim Woesner Brothers Theatersommer im Kolle37 in Prenzlauer Berg (Kollwitzstraße 35-37). Allerdings wird das Thema der sexuellen Identität hier weniger seinsphilosophisch und kultursoziologisch als lebenspraktisch-sportiv angegangen. Unter dem Motto „Im Würgegriff der Libido“ (22.7., 20 Uhr) behandeln die Comedy-Zwillinge Ralph und Ingo Woesner auf ihrer lauschigen Open-Air-Bühne (mit Regenausweichmöglichkeit) wesentliche Fragen wie „Kann ich mit meiner Libido die Abgaswerte meines Autos senken?“ Zur Beantwortung steht ein Expertenteam vom Seitensprung-Zuhälter Rufus bis zur Unterwäschetherapeutin Ludmilla parat. Gesamtmotto der Veranstaltung: „Euer Zwerchfell gehört uns!“

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