SPIEL Sachen : Komm’ näher

Christine Wahl lässt sich in intime Experimente verwickeln.

Christine Wahl

Die Beleuchtung haut nicht hin. Das Bühnenbild ist unvollständig. Künstler fehlen. Und der Typ auf der Bühne, der alles in einem komplett falschen Ton erklärt, ist ein Gerippe. So sieht die „Live Art“ aus, die zu Beginn der theaterarmen Sommerzeit im HAU unter dem Motto Live Brits II – Superintimacy noch einmal ordentlich die Hirnzellen auf Trab bringt. Wie macht man Theater, ohne theatralisch zu sein? Welche Chancen hat eine (Bühnen-)Kunst, die sich lieber am Alltäglichen als an der dramatischen, repräsentationsversessenen Inszenierung orientiert? Welche Intimität ist möglich zwischen Künstlern und Zuschauern? Und wie real oder verlogen ist diese Intimitätsbehauptung in einem Theaterkontext?

Eröffnet wird das von HAU-Chef Matthias Lilienthal kuratierte Festival mit eben jener Skelett-Performance Spectacular im HAU 1 (1.-3.7., 19.30 Uhr), in deren Verlauf schließlich noch von einer melodramatischen Sterbeszene, skurrilen Tänzen, bizarrem Kabarett, einer verdrehten Liebesgeschichte und diversen Zukunftsprognosen die Rede ist. Bei der Truppe Forced Entertainment, die in der nächsten Spielzeit übrigens zu einem wesentlichen Bestandteil des HAU-Programms werden soll, beschränkt sich die Intimität noch darauf, dass zwei Performer für zwei Stunden mit den Zuschauern eingeschlossen sind und eine Gemeinschaft bilden. Radikaler geht da Franko B. in Don’t leave me this Way im HAU 3 (1.-3.7.) zu Werke: Die Produktion, in der er mit seinem nackten Körper und dem Moment der Blendung arbeitet, existiert in zwei Versionen. Man kann sie entweder ganz gängig zusammen mit anderen Zuschauern oder aber – in Fassung zwei – allein sehen. Dabei sind Lilienthal zufolge „geradezu beängstigende“ Erfahrung möglich, die dem Mutigen erschließen, inwiefern und an welchem Punkt ein solches theatrales Setting in ein erotisches umschlagen kann.

Das biografische Projekt Daniel hit by a Train (1./2.7., 21 Uhr) des Lone Twin Theatres im HAU 2 klingt da ungefährlicher. Die Truppe versucht, „die ewigen Fragen des Theatermachens zu lösen“, indem sie einen kurzen Moment aus dem Leben des Protagonisten herausgreift und aus verschiedenen Perspektiven und in unterschiedlichen Darstellungsformen wieder und wieder unter die Lupe nimmt.

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