SPIEL Sachen : Nah am Wasser gebaut

Christine Wahl empfiehlt Butterfahrten in die Mark Brandenburg

Christine Wahl

Es soll ja Menschen geben, die aus Verachtung für den Pauschaltourismus lieber individuelle Heimatferien machen. Bei Max Schumachers Angebot könnten sie wankelmütig werden: Der Kurator der „Landpartien“, zu denen die Off- Theaterszene traditionsgemäß während des Rohkunstbau-Festivals ins Umland lädt, arbeitet an der Symbiose aus transporttechnischer Butterfahrt und mentaler Studienreise: „Kulturelle Pauschalkurzreisen mit einem Shuttlebus vom Schlossplatz“ nennt Schumacher die Tagestrips, die Interessenten dieses Jahr zum Schloss Sacrow nach Potsdam entführen – für schlappe zehn Euro. Man muss sich nur vorher anmelden (Tel. 495 00 979 oder info@rohkunstbau.de).

Anreisen ist natürlich auch mit dem Auto und dem öffentlichen Nahverkehr möglich. In jedem Fall erwarten die Fans der gehobenen freien Theaterszene am Zielort internationale Performancekünstler vom HAU, den Sophiensälen, dem Dock 11, dem Tesla bzw. dem Ballhaus Ost, die das Sommertheater-Schema der schmerzfreien Paarungskomödie schräg durchkreuzen und das Saisonmotto „Drei Farben: Weiß“ aufgreifen: Ein mobiler Schlossbau aus 2000 Sylter Mineralwasserkästen sowie eine Inszenierung des Forensikers und Insektenspezialisten Dr. Mark Benecke mit Imker und leibhaftigem Bienenstock durften an den vergangenen beiden Wochenenden als Trend setzender Auftakt verstanden werden.

Morgen nun wird Siegmar Zacharias unter dem Motto Fear Lab (21 Uhr) das Phänomen der Angst von allen erdenklichen Seiten durchleuchten: Versprochen wird das Spiel „Virtual Reality in the Dark“, bei dem auch die Horrorfilm- und Thrillerästhetik zu ihrem gebührenden Einsatz kommen sollen.

Wer es dagegen eher mit dem gehobenen Boulevard hält, könnte am 18.8. in Art (20 und 21.30 Uhr) tatsächlich noch eine neue Perspektive auf Yasmina Rezas internationalen Theatererfolg „Kunst“ gewinnen – dem Ende der neunziger Jahre meistgespielten Stück auf deutschen Bühnen! Die Regisseurin Ronit Muszkatblit, die Choreografin Diane Busuttil und die Medienkünstlerin Hiroko Tanahashi schicken den Darsteller Robert Wolfram auf einen Solo-Trip durch die Untiefen der zeitgenössischen Kunst und nutzen dafür erstmals auch den Innenraum des Schlosses Sacrow.

Zum Festivalabschluss adaptieren die Akteure vom Helmi dann den mottogebenden Film Drei Farben: Weiß (1.9., ab 20 Uhr) als Puppentheater für Erwachsene – im Dorf Groß Leuthen im Spreewald, wo die Off-Szene rund ums malerische und mittlerweile verkaufte Wasserschloss bis zum letzten Jahr ihre Sommerresidenz aufschlug (Informationen: www.rohkunstbau.de).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben