SPIEL Sachen : Ort und Tat

Christine Wahl ermittelt in Friedrichshain. Im Berliner Kriminaltheater wird noch sauber gemordet - ganz ohne Drehbuchbetrüger.

Christine Wahl

Eigentlich hat der Fernseh-„Tatort“ den Krimibedarf bis dato ja ganz gut abgedeckt. Kein den Konsumenten-Mainstream schreckender Avantgardewille, eine Schnittgeschwindigkeit, bei der auch die Generation 50 plus die Tatverdächtigen noch auseinanderhalten kann, ein Schuss regionalspezifischer Sozialdramatik – und für die Theaterliebhaber unter den TV-Zuschauern sogar jede Menge ermittelnde Bühnenstars; von Martin Wuttke als Kommissar Keppler bis zu DT-Neuzugang Maren Eggert als Polizeipsychologin Jung. Nach der Räuberpistole um die mittlerweile suspendierte NDR-Fernsehfilmchefin Doris Heinze, die nicht nur ihrem Ehemann verdeckt Aufträge verschaffte, sondern ihrem Sender unter Pseudonym auch eigene Drehbücher verkaufte, könnte dem einen oder anderen „Tatort“-Fan die Lust allerdings vergangen sein.

Genau an diesem Punkt springt nun mal wieder das gute alte Theater in die Bresche. Hier wird noch sauber gemordet, gestorben und ermittelt, hier tummeln sich keine Drehbuch-Betrüger und Fernseh-Schattenmänner. Speziell gilt dies für das Berliner Kriminaltheater in Friedrichshain (Palisadenstraße 48), das Pseudonym-Skandalen schon deshalb traumwandlerisch entgeht, weil es ganz auf die Tradition von Agatha Christie bis Sir Arthur Conan Doyle setzt. Allein an diesem Wochenende stehen mit „Die Mausefalle“ und „Mord im Pfarrhaus“ zwei veritable Christie-Hits auf dem Plan. Die Sujets allerdings sind zeitlos kriminell, daraus ließen sich gut und gern auch Tatorte und Polizeirufe stricken. Man sieht, wo die kriminellen Energien ursprünglich herkommen. Und dass nichts heilig ist. Beim Pfarrhaus-Fall spielt zum Beispiel die Unterschlagung von (Kirchen-)Geldern eine entscheidende Rolle.

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