SPIEL Sachen : Paul, Paula & die Puhdys

Es gibt bis jetzt wohl kein einziges Nachwende-Jahr, in dem Paula ihrem Paul nicht in irgendeinem Kino zum Puhdys-Sound das züchtige Funktionärshemd vom Leib gerissen hätte. Christine Wahl über ewig grüne DDR-Klassiker.

Christine Wahl

Wir hatten uns ja, ehrlich gesagt, schon ein bisschen gesorgt. 20 Jahre Mauerfall – und noch kein Berliner Theater sollte auf die originelle Idee gekommen sein, mal wieder Paul und Paula aus dem künstlerischen Hades zu zerren? Diesen (zweifellos großartigen) Heiner-Carow-Film nach Ulrich Plenzdorf mit Angelica Domröse und Winfried Glatzeder? Und das, wo die alleinerziehende Lebensmittelverkäuferin und der von seinen Präsent- 20-Anzügen umschlotterte SED-Kader für die Lovestory made in GDR doch in etwa das sind, was die Marke Tempo fürs Papiertaschentuch ist?

Nachgeborene Parteifunktionäre und Verkäuferinnen können sich zum Beispiel seit elf Jahren auf der „Paul-und- Paula-Bank“ am Rummelsburger See mit Rotkäppchensekt feiern. Auch gibt es bis jetzt wohl kein einziges Nachwende-Jahr, in dem Paula ihrem Paul nicht in irgendeinem Kino zum Puhdys-Sound das züchtige Funktionärshemd vom Leib gerissen hätte. Und kein Theater von Berlin bis Greifswald, wo Ostpaarungsverschnitte nicht redlich publicity-bemüht vor Pappmaché-Plattenbauten herumgehüpft wären! (In Berlin setzte den Stoff vor neun Jahren zum Beispiel Leander Haußmann an der Volksbühne erhaben in den Sand.) Die PR-Medaille in Gold geht allerdings ans Potsdamer Hans-Otto- Theater, das 2008 die „Wiedervereinigung von Paul und Paula“ ausrief und Domröse und Glatzeder in der Komödie „Filumena“ eine erschütternd spießige Versorgungsehe eingehen ließ.

Im Mauerfall-Jahr kartet nun die Schaubude nach und zeigt „Paul und Paula – Eine Legende“ (vom 13. - 15. März) als One-Woman-Show mit Puppen und Livemusik. Apropos: Was machen eigentlich die Puhdys? Ein Rockmusical mit Frank Castorf; „Hans im Glück“, am Sonntag in der Volksbühne! Ach nee, Entschuldigung: Das waren ja gar nicht die Puhdys, das war ja Pankow! Also: Theater der Hauptstadt, legt euch ins Zeug: Vielleicht ist die Paul-und-Paula-Combo zum Mauerfall-Jubiläum ja noch zu haben ...

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben