SPIEL Sachen : Spaghetti mit Tomatensoße

Christine Wahl über die Helden der Kindheit

Christine Wahl

Ob ausgerechnet die letzten Tage vor den Sommerferien in erschlafften Schülern Bildungsbürgerinstinkte wecken, ist die große Frage. Aber erstens soll man ja nichts unversucht lassen. Und zweitens wirft ein Kinder- bzw. Jugendtheaterbesuch neben seiner Ladung Hochkultur im Zweifelsfall ja auch einfach Vergnügliches ab. Da wären im Fall von Jörg Menke-Peitzmeyers Sportlerdrama „B-Jugend“ heute um 11 Uhr in der Schiller-Theater-Werkstatt zum Beispiel die Glamour-Visionen der Spielerfrauen in spe: Da sich Victoria Beckham als weibliches Rollenmodell bis dato offenbar besser durchsetzen konnte als, sagen wir, Sportreporterin Monica Lierhaus, bietet die Grips-Produktion um Teamgeist, Foul und Versöhnung im Nachwuchsfußballermilieu auch ehrgeizige Spieler- Freundinnen auf, die im Hintergrund die Fäden ziehen.

Alice vom Theater RambaZamba hingegen verlässt sich auf dem Hof der Kulturbrauerei (6. bis10.7., 16 Uhr) lieber ganz auf sich selbst. Sie geht alleine jagen: Eigentlich will sie die Spielregeln der Erwachsenenwelt ja durchaus lernen, aber neugierige Mädchen landen letztlich eben doch immer woanders als auf der Wohnzimmercouch. Mit „Alice auf Kaninchenjagd“ haben die Regisseurin Gisela Höhne und ihre Truppe aus behinderten und nichtbehinderten Schauspielprofis eine mit eigenen Erfahrungen unterfütterte, bildstarke Inszenierung erarbeitet.

In der szenischen Lesung „Helden wie du und ich. Pippi Langstrumpf und Alfons Zitterbacke“ im Eigenreich (Greifswalder Straße 212 – 213) steht am Samstag um 21 Uhr dann doch der Bildungsaspekt im Vordergrund. Zumindest insofern, als der literarisch geneigte Nachwuchs die Chance bekommt, zu veritablen Elternverstehern heranzureifen: Mit Langstrumpf und Zitterbacke begegnen sich nämlich die Kindheitshelden ihrer Erziehungsberechtigten aus West und Ost. Die emanzipierte, rotbezopfte Weltenbummlerin Pippi gegen den realsozialistisch dauerzitternden Alfons, der schon mit der Zubereitung so überschaubarer Mahlzeiten wie Spaghetti mit Tomatensoße überfordert ist. Wenn da nicht die Geschlechterdebatte wieder hochkocht!

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