SPIEL Sachen : Tanz den Diwan!

Christine Wahl pendelt zwischen Orient und Okzident

Christine Wahl

Beirut in den achtziger Jahren: Eine Jugendgang streift nachts durch die vom Bürgerkrieg zerstörten Straßen und sucht in verlassenen Häusern nach Wertsachen, um sie an ihre ursprünglichen Besitzer zurück zu verkaufen. Nach Mitternacht treffen sich die Kids in einem leeren Kino, schauen Filme, rauchen Zigaretten und empfangen eigenwillige Botschaften eines alten Mannes. Rami Sabbaghs Kurzvideo „2 mg of Rotten Blood on Pure White Snow“ (ab 22.11., 19 Uhr, im HAU 3, Tempelhofer Ufer 10) ist im Rahmen des vielversprechenden Festivals Meeting Points 5 zu sehen, das das Hebbel am Ufer vom 22.11. bis 1.12. in allen drei Spielstätten veranstaltet.

Der Clou dieses internationalen Kunstfestivals besteht darin, dass es im Sinne eines öffentlichkeitswirksamen Dialogs zwischen arabischen und anderen Künstlern zeitgleich in neun Städten der arabischen Welt sowie in Brüssel und Berlin stattfindet. Neben Filmen, Installationen und Videokunst gibt es einen Einblick in die arabische Tanz-, Performance- und Theaterszene. In Amir Reza Koohestanis Stück „Dry Blood and Fresh Vegetables“ (24.11., 20 und 22 Uhr, HAU 2, Hallesches Ufer 32) beispielsweise spricht eine Mutter mit ihrer knapp 30-jährigen Tochter am Telefon entwaffnend offen über die Nachbarn, das Kochen, das Frausein, den Irakkrieg und das Leben in Teheran. Und die Geschwister Selma und Sofiane Ouissi aus Tunis widmen sich in ihrer Auftakt-Choreografie „Wacl“ nach den mystischen Gedichten von Djâlal al-dîn Rûmîs (22.11., 20.30 Uhr und 23.11., 19.30 Uhr, HAU 1, Stresemannstr. 29) der schwierigen Frage, ob sich das Unsichtbare vertanzen lässt.

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