SPIEL Sachen : Verliebt in ein Phantom

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Sage noch einer, das Theater verschließe sich der modernen Wissenschaft! Regisseur Georg Scharegg will Oscar Wildes „Bunbury“ unter dem Titel Ernst ist ein Spiel am Theaterdiscounter (heute u. morgen, 20 Uhr) im Licht der „modernen Persönlichkeitsforschung“ betrachten. Nähme man die Figuren – dem Originaltitel „The Importance of Being Earnest“ gemäß – für voll und benutzte sie nicht nur als Pointenlieferanten, zeichneten sie „überdeutlich die real existierenden Paradoxien individuellen Verhaltens in der Gesellschaft“, schreibt Scharegg im Pressetext. Wenn das keine Verheißung ist!

In Wildes Stück entflieht der Londoner Dandy Algernon Moncrieff seinen Societyverpflichtungen, indem er einen kranken Freund namens Bunbury erfindet, der regelmäßig besucht werden muss. Algernons Kumpel John Worthing entledigt sich der Pflicht, seinem Mündel Cecily Cardew ein tugendhaftes Vorbild sein zu müssen, durch eine ähnliche Notlüge. Er erfindet den jüngeren Bruder Ernst, der in der fernen Hauptstadt angeblich von einer Bredouille in die nächste schlittert. Und wie es die Komödiengesetze wollen, geht alles so lange gut, bis sich attraktive Damen in die inexistenten Männer verlieben. „In der Neuinterpretation werden feststehende Rollenprofile ähnlich wie die Vorstellung von einer Kohärenz des Individuums aufgegeben“, verspricht nun Scharegg.

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