SPIEL Sachen : Was wäre, wenn nicht?

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Im Grunde ist das Theater eine unglaublich grausame Angelegenheit: Kaum ein Abend ohne Leichen. Wenn im Deutschen Theater am 28. Oktober wieder Schillers „Kabale und Liebe“ auf dem Programm steht, wird der Adelsspross Ferdinand seine bürgerliche Freundin Luise erneut mit einem vergifteten Glas Limonade ins Jenseits befördern. Shakespeares Dänenprinz „Hamlet“ fordert – aktuell etwa in der Schaubühne – sogar gleich acht Todesopfer, bevor er selbst im Duell tödlich verwundet wird. Und am Berliner Ensemble sind in Frank Wedekinds Kindertragödie „Frühlings Erwache“ ein Teenagersuizid sowie ein Todesfall wegen elterlich erzwungener, illegaler Abtreibung zu beklagen.

Das Clubtheater Berlin will dieser fatalen Tendenz offenbar entgegensteuern und wirft im Stadtbad Steglitz (1., 2. & 7.–9. Oktober) stellvertretend für viele dramatische Todesfälle die Frage auf: „Was wäre, wenn Romeo und Julia nicht gestorben wären?“ Vergegenwärtigen wir uns das Shakespeare-Stück: Julia lässt sich in einen todesähnlichen Schlaf versetzen, damit ihre Eltern, die ihre Beziehung zu Romeo hintertreiben, ihr totgeglaubtes Kind in der Gruft beisetzen, aus der Romeo sie dann zwecks Flucht retten soll. Romeo weiß allerdings nichts von den Zusammenhängen, hält seine Freundin für tot und vergiftet sich neben ihr mit einem Chemikaliencocktail. Als Julia kurz darauf erwacht, bleibt ihr nur noch der Griff zum Dolch.

In Ephraim Kishons Satire Es war die Lerche ist das Timing besser: Julia hat die Augen rechtzeitig aufgeschlagen und ist inzwischen seit 29 Jahren mit Romeo verheiratet. Der ernährt die Familie von einer Ballettlehrergage und geht mit seiner Wärmflasche ins Bett, während Julia am Herd rumgrantelt. Das Clubtheater Berlin wird sicher befriedigend klären, ob dem Paar aus diesem Dilemma nur der Dramentod heraushelfen kann. Oder ob’s auch schon eine Paartherapie mit Gender-Schwerpunkt täte.

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