Kultur : Spielen oder nicht spielen?

Nachgefragt: Zur aktuellen Auseinandersetzung um Rainer Werner Fassbinders Theaterstück "Der Müll, die Stadt un der Tod" und ihr möglichwe Aufführung am Berliner Maxim Gorki Theater.

"Die sollen das Stück spielen und durch die Inszenierung zeigen, ob es ein antisemitisches Stück ist oder nicht.Wenn man sich eines solchen Textes annimmt, den Fassbinder als Interventionsstück geschrieben hat, muß man die Emotionen und die Fragwürdigkeit des Projekts in die Umsetzung miteinbeziehen." Daniel Cohn-Bendit, Politiker

"Solange sich Deutsche und Juden so ineinander verbeißen, kann man zum Glück für die Leute, die ich nicht mag, von deutsch-jüdischer Symbiose sprechen." Maxim Biller, Schriftsteller

"Wenn das Theater ein Konzept hat, soll es das Stück aufführen.Außerdem darf doch ein Theater für sich in Anspruch nehmen, daß es alle möglichen Interessen verfolgt, aber doch ganz bestimmt keine antisemitischen.So viel Vertrauen in eine vom Staat subventionierte Einrichtung muß vorausgesetzt werden.Ich gestehe jedem zu, ernsthafte Bedenken anzumelden.Aber den Protest gleichzeitig an Kultursenator und Theater zu richten, zeigt ein Staatsverständnis, das mir suspekt ist.Denn die künstlerische Freiheit von Institutionen, die vollständig vom Staat getragen werden, unterliegt auch seinem Schutz." Jürgen Schitthelm, Direktor der Schaubühne

"Wenn ich der Vorsitzende einer jüdischen Gemeide wäre, würde ich gegen die Aufführung des Stückes protestieren.Es ist eindeutig antisemitisch.Die Macher verneinen das zwar, aber das ist natürlich Augenwischerei.Als unabhängige Person bin ich aber sehr wohl dafür, daß das Stück gespielt wird, gerade in Berlin.Die Inszenierung selbst wird nichts bewirken, aber das Tamtam drumherum könnte sehr aufregend werden.Das wird viel mehr über den Zustand der Republik aussagen und vielleicht einigen Leuten die Augen öffnen.Ich traue den meisten Theaterleuten leider nicht zu, daß sie reflektieren, was sie da tun.In diesem Fall sind sie einfach nur sicher, in die Schlagzeilen zu kommen."

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