Kultur : Spielen oder streiken?

Hollywood streitet über einen neuen Arbeitskampf

Christa Piotrowski

Unter Hollywoods Schauspielern tobt eine heftige Auseinandersetzung: Fast ein Jahr nach dem Ausstand der Drehbuchautoren soll in der Filmmetropole erneut gestreikt werden. Die größte Gewerkschaft der Schauspieler, die Screen Actors Guild (SAG), droht nach monatelangen erfolglosen Tarifverhandlungen mit dem Ausstand ihrer 120 000 Mitglieder. Die Abstimmung über den Streik sollte ursprünglich am Freitag beginnen, wurde aber wegen Widerstands aus den eigenen Reihen verschoben. Der Gewerkschaftsvorstand wird sich nun am 12. Januar mit der „bedauerlichen Spaltung“ auseinandersetzen und „wieder Einheit herstellen“, wie SAG-Chef Doug Allen sagte.

Gegen den geplanten Arbeitskampf haben rund 130 Hollywoodschauspieler, unter ihnen Tom Hanks, George Clooney, Cameron Diaz, Matt Damon und Morgan Freeman, in einem offenen Brief protestiert. Sie erinnerten an die gravierenden Folgen des drei Monate dauernden Drehbuchautorenstreiks, der einen Schaden von rund 2.5 Milliarden Dollar verursacht und die Existenz zahlloser Beschäftigter in der Unterhaltungsindustrie bedroht hatte. Den Protestbrief haben inzwischen 1866 Schauspieler unterschrieben. Auf der anderen Seite stehen die Befürworter des Streiks. Schauspieler wie Martin Sheen, Mel Gibson, Ed Harris, Holly Hunter und Sandra Oh. Mehr als 2400 Darsteller unterstützten die Vorbereitungen für einen Streik, teilte die Screen Actors Guild mit.

Seit Ende Juni kämpft die Schauspielergewerkschaft um einen neuen Tarifvertrag. Es geht ihr vor allem um eine bessere Bezahlung für die Weiterverwertung von Filmen und Fernsehinhalten im Internet und anderen neuen Medien. Auch soll der neue Arbeitsvertrag eine höhere Gewinnbeteiligung beim Verkauf von DVDs garantieren. Der Vertragsentwurf, den die Vereinigung der Film- und Fernsehproduzenten AMPTP (Alliance of Motion Picture and Television Producers) den Darstellern angeboten hat, sieht zwar Honarerhöhungen von 250 Millionen Dollar vor. Aber die Filmstudios behalten sich das Recht vor, Produktionen für neue Medien ohne gewerkschaftlich organisierte Schauspieler zu realisieren und keine Tantiemen zu zahlen.

Der heftige Streit unter den Darstellern ist indessen auch Ausdruck eines politischen Machtkampfes: Die Screen Actors Guild und ihre kleinere Schwesterorganisation AFTRA (American Federation of Television and Radio Artists) konkonkurrieren erbittert um die Ausweitung ihrer Macht. Die Aversion zwischen den beiden Schauspielergewerkschaften war im Frühjahr vergangenen Jahres in offene Feindseligkeit umgeschlagen, nachdem AFTRA einen eigenen Vertrag mit dem Produzentenverband ausgehandelt hatte. Der Alleingang hat die Verhandlungsposition der Screen Actors Guild erheblich geschwächt. AFTRA gehören etwa 70 000 Darsteller an, die vor allem in Video- und Kabel-TV-Produktionen, in Soap Operas und im Life-TV arbeiten. SAG-Mitglieder dagegen sind beim Film und im Prime-TV tätig.

Die SAG kämpft inzwischen an allen Fronten. Der finanzstarke Produzentenverband hat eine Werbekampagne gegen einen möglichen Streik lanciert. In einer ganzseitigen Anzeige in der „Los Angeles Times“ ließ er die Öffentlichkeit wissen, dass die Screen Actors Guild dankbar sein solle, dass die Produzenten ihr Angebot trotz der Wirtschaftskrise nicht zurückgenommen hätten. Die Screen Actors Guild antwortet mit einer kostspieligen Informationskampagne – in erster Linie, um die Kämpfe in ihren eigenen Reihen zu schlichten.

75 Prozent der abstimmenden Darsteller müssten nun für einen Arbeitskampf votieren, damit die Guild zum Streik aufrufen kann. Ob sie ihre Mitglieder mobilisieren kann, ist ungewiss. Die Schauspielergewerkschaft gilt als chaotische Organisation. Kaum ein Drittel ihrer Mitglieder arbeitet tatsächlich als Schauspieler. 90 Prozent verdienen weniger als 28 000 Dollar im Jahr. Es ist ironisch, dass nun ausgerechnet die prominenten Großverdiener, die häufig ihre eigenen Produktionsfirmen besitzen, die Diskussion dominieren. Christa Piotrowski

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