Kultur : Spielplatz der Ego Shooter

Satellit 3: Die Preview Berlin bleibt auch im zweiten Jahr im Aufwind

Michael Zajonz

Berlin gilt nicht unbedingt als Stadt des Understatements. Dass sich die Preview Berlin zum zweiten Mal unter dem Label „The emerging Art Fair“ präsentiert, geht allerdings in Ordnung. Noch deutlicher als 2005 etabliert sich die von Kristian Jarmuschek, Tobias Kuttner, Rüdiger Lange und Ralf Schmitt initiierte Messe als Schaufenster sehr junger und dennoch hochprofessioneller Galerien. Das, so Kuttner, zeige sich auch am spürbar gestiegenen Interesse internationaler Sammler und Kuratoren, die den Weg in die Backfabrik nach Prenzlauer Berg finden werden, obwohl die kleine unabhängige Preview im offiziellen VIP-Programm des Art Forum nicht vorkommt.

Über 250 Galerien bewarben sich um die Teilnahme, 53 wurden ausgewählt (im vergangenen Jahr waren es 47). Noch dominieren Berliner Galerien den auf drei Etagen ausgedehnten Parcours. Doch Neuzugänge zwischen Rügen und Puerto Rico erweitern das Spektrum. Neben klassischen Galerien nehmen erneut Produzentengalerien und Projekträume teil, etwa Diskus (Berlin), ein Zusammenschluss von neun Bildhauern, die in Dresden studiert haben. Christian Schönwälders architektonisch-ironische Sprelacart-Skulpturen (2800–5000 Euro) fallen sowohl auf dem Messestand wie in der nahegelegenen Bötzow-Brauerei auf, die Diskus mit Amerika und Martin Mertens, zwei weiteren Messeteilnehmern aus der Brunnenstraße, temporär bespielt.

Raumgreifendes zeigt auch White trash contemporary (Hamburg) mit einem psychedelischen Raumteiler von Oliver Ross, der mit 18 000 Euro die obere Preisgrenze der Messe markiert. Oder die Berliner Spielhaus Morrison Galerie, die sich dem isländischen Bildhauer und Performer Magnús Árnason widmet. In „Vöxtur!“, Wachstum, wird ein Riesenkokon von drüsenartigen Gebilden mit Perlonschnur eingesponnen (Preis auf Anfrage).

In den klassischen Gattungen Malerei und Zeichnung brillieren Newcomer wie der in Leipzig studierende Stefan Lenke, dessen enigmatisch-düstere Farbfeldmalereien (750–4700 Euro) die Galerie Baer aus Dresden präsentiert. Oder der 1981 in Halle geborene Zeichner Peter Feiler, ausgebildet von Wolfgang Petrick und Daniel Richter an der UdK. Feilers erotische Federzeichnungen (900–2200 Euro), an Ensor und Schiele geschult, fanden bei Adler (Frankfurt/New York) schon während der Vorbesichtigung Liebhaber.

Aufmerksamkeit verdient auch die Galerie West (Den Haag), die unter dem Titel „Schauspiel“ ein komplexes Messe-Gesamtkunstwerk rund um das Medium Film inszeniert hat, neben Einzelarbeiten wie den fragilen Schaukästen von Arianne Olthaar (800–1400 Euro). Gleich nebenan bindet artMbassy (Berlin) mit Jan Bauers „Bilder mit Kreisen“ (bis 8000 Euro), Alain Declercqs Kofferobjekten, aus denen Gewehrteile ragen (je 5000 Euro), und Joachim Seinfelds „Ego Shooter“ (11000 Euro) eine brisante Mixtur zum Thema Terror zusammen. Vorsicht Falle: Wer auf Seinfelds Schießstand ballert, erledigt sich selbst.

Saarbrücker Str. 36–38, bis 3. Okt. tägl. 14–21 Uhr. Infos unter www.previewberlin.de, Messeführungen tägl. 15 und 17 Uhr

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