SPIEL Sachen : Alles bleibt beim Alten

Christine Wahl

Geht es um Weihnachten, wird selbst die freie Berliner Theaterszene überraschend ironiefrei. Angebote für Weihnachtsskeptiker sucht man am 24. Dezember vergeblich auf den Off-Spielplänen. Hier stehen die Zeichen einhellig auf Tradition. Besonders gern macht man sich dabei für Nachwuchszuschauer ums geistige Erbe der Brüder Grimm verdient. So zeigt das Puppentheater Firlefanz (Sophienstraße 10, 11 Uhr) den Klassiker um das nach harter Strafarbeit verdient auf der Sozialleiter nach oben kletternde „Aschenputtel. Und kurz darauf zieht das Theater Mirakulum (Brunnenstraße 35, 15 Uhr) mit dem Eifersuchtsdrama einer hartherzigen Queen gegenüber ihrem schönen Stiefkind namens „Schneewittchen“ nach. So weit, so erwartbar.

Aber dass selbst an Orten, wo man das Jahr über gern mal das Theater neu erfindet, zur Weihnacht auf „Besinnlichkeit“, „strahlende Kinderaugen“ und „wunderbare Erinnerungen“ gesetzt wird, überrascht schon ein wenig. Zum Beispiel im Ballhaus Ost (Pappelallee 15): „In einer Zeit rasender Geschwindigkeit brauchen wir Dinge, die uns innehalten lassen“, appelliert die Crew an den gemeinen Adventshektiker und empfiehlt als Entspannungsmaßnahme ihr hauseigenes „Krippenspiel“ mit dem programmatischen Untertitel „Wie man Wärme teilen kann“. Gleich viermal hintereinander (11, 13, 15 und 16 Uhr) wirft sich der Riesenstab aus mehr als einem Dutzend Mitwirkenden für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen an die Besinnlichkeitsfront – bei freiem Eintritt. „Alles bleibt beim Alten“, lautet das Versprechen, „es wird ganz wunderbar.“ Aber vielleicht ist das ja inzwischen schon die wahre Avantgarde?!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben