SPIEL Sachen : Aus der Zeitung auf die Bretter

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Normalerweise gehört das Theater ja eher zu den Entschleunigungsmedien. Und das ist, zumindest grundsätzlich, auch ganz gut so. Ein intelligentes Team vorausgesetzt, gelingt es der Bühnenkunst dank relativ langer Vorbereitungszeiten ja mitunter tatsächlich, Zusammenhänge offenzulegen, von denen der künstlerische Schnellschuss noch nicht mal aus der Ferne gehört hat.

Umso interessanter ist es natürlich, was passiert, wenn man dieses Prinzip bewusst umkehrt und praktisch in der Gegenrichtung auf die Spitze treibt. So, wie die Brotfabrik in Weißensee mit ihrem neuen Theaterformat 24 h Theater Berlin, das am heutigen Freitag (20 Uhr) Premiere feiert. Der Plan: Vier Autoren, vier Regisseure und acht Schauspieler entwickeln binnen 24 Stunden vier Kurzdramen. Und die Zuschauer können von der Themenfindung bis zur Aufführung live dabei sein.

Erstere ereignet sich heute Abend: Während auf der Bühne die Akteure vorgestellt werden, bekommen die Autoren einen Vorabdruck der „taz“ vom Samstag in die Hand gedrückt und dürfen sich von den Artikeln jeweils zu einem Kurzstück inspirieren lassen. Dann verschwinden sie für circa acht Stunden in die Schreibstube. Und morgen früh, 8 Uhr, kommen alle Beteiligten – Zuschauer inklusive – zu einer gemeinsamen Leseprobe zusammen, bevor sich dann am Abend, 20 Uhr, der Vorhang für die Endprodukte öffnet.

Interessant ist dieser Marathon natürlich nicht nur für alle, die schon immer mal wissen wollten, woher Dramatiker eigentlich so ihre Inspirationen beziehen, wer bei Proben den Kaffee kocht und was Regie und Schauspieler aus einer papierenen Vorlage herausholen können. Sondern endlich bietet sich auch mal die Möglichkeit, ganz direkt zu überprüfen, ob das Theater den (nicht zu Unrecht) grassierenden Vorwurf entkräften kann, es käme über den Gehalt eines Zeitungsartikels oft nicht hinaus oder bliebe, schlimmer noch, sogar dahinter zurück.

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