SPIEL Sachen : Banker auf die Bühne

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Relevanzbewusst hat das Theater in letzter Zeit immer wieder die Finanzkrise aufgegriffen. Andres Veiels dokumentarischer Versuch liegt noch nicht lange zurück. Die schwäbisch-hauptstädtische Koproduktion „Das Himbeerreich“ basierte auf mehr als zwanzig Gesprächen mit führenden Bankern. In Basel – um hier nur ein weiteres Beispiel aus der üppigen Finanzkrisenbühnenblüte herauszugreifen – ließ Volker Lösch zeitgleich das fiktive Personal aus Richard Harris’ Börsen-Thriller „Angst“ als tumbe, triebgesteuerte Neandertaler aufmarschieren – mit Laptop im Anschlag und ebenfalls mit O-Ton-Einsprengseln aus dem Finanzsektor.

Nun äußern sich in Gestalt der freien Truppe Machina ex im HAU 3 (Fr bis So und Di bis Do 19/21 Uhr) abermals neue Bühnenkünstler zum Thema. Der Plot ist schnell umrissen: August Mohr gründet im 47. Stock der größten Bank der Welt seinen Hedge Fonds, während Gattin Clara ihr Pharma-Unternehmen zu retten sucht und Investmentbankerin Denise die Gefahr bereits erahnt. Trotzdem gibt es berechtigten Grund zur Hoffnung, dass „Hedge Knights“ tatsächlich mit neuen Blickwinkeln aufwartet. Denn die Spezialität der jungen Machina-eX-Performer liegt darin, Computerspiele gleichsam in die analoge Bühnenwirklichkeit zu transportieren. Die Zuschauer sind höchstselbst ins Finanzkrisen-Spektakel involviert und müssen – um jeweils zum nächsten Level voranzuschreiten – knifflige Aufgaben lösen. In diesem Sinne ist hier wenigstens jeder für seine Krise selbst verantwortlich.

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