SPIEL Sachen : Berg der Bedeutung

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Pierre-Anthon, Schüler in einer fiktiven dänischen Kleinstadt, verweigert sämtlichen pädagogischen Konzepten die Gefolgschaft. Lieber steht er mitten im Unterricht auf, verkündet, dass rein gar nichts unter dieser Sonne irgendeine Bedeutung habe, und fristet sein jugendliches Leben fortan sitzend in einem Pflaumenbaum. Angestachelt von Pierre-Anthons nihilistischen Parolen entwickeln seine Mitschüler einen ungeheuren Gegenbeweis-Ehrgeiz und tragen in einem stillgelegten Sägewerk heimlich einen „Berg der Bedeutung“ zusammen. Dort wird alles aufgeschichtet, was den Jugendlichen lieb und teuer ist: Jeder muss etwas Bedeutendes hergeben, wobei der jeweils aktuell Opfernde nicht nur bestimmen darf, wer als Nächstes an der Reihe ist, sondern auch, welches Opfer er zu bringen hat. Logisch, dass die Sache eskaliert: Der streng gläubige Muslim Hussein verliert seinen Gebetsteppich, Sofie ihre Unschuld und Jan-Johan – ein exzellenter Gitarrenspieler – seinen rechten Zeigefinger. Als die Sache auffliegt, folgen neben dem üblichen Medienrummel der millionenschwere Ankauf des Berges durch ein amerikanisches Museum und eine Reihe weiterer bitterer Schüler-Einsichten, die ihrerseits zu neuer Gewalt führen.

Janne Tellers preisgekrönter, in zwölf Sprachen übersetzter und 2010 auch auf Deutsch erschienener Bestseller „Nichts“ erfuhr höchst kontroverse Reaktionen. Im Theater an der Parkaue (Sa 16 Uhr, Mo/Di 10 & 18 Uhr, Mi 10 Uhr) hat Roscha A. Säidow – Regiestudentin an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ – Jan Erdmanns Bühnenfassung des Textes für Jugendliche ab 14 Jahren inszeniert. Sie weitet damit die Debatte über den persönlichen und den gesellschaftlichen Wertekanon auf die Bedeutung, ihre (Ver-)Käuflichkeit und ihr Verhältnis zum Opfer aus.

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