SPIEL Sachen : Besuch bei Graf Schwanfried

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Als letztes Jahr eine Truppe junger Schauspielschulabsolventen auf die Idee kam, Tschaikowskys Ballett-Klassiker „Schwanensee“ mit Hitchcocks Gruselschocker „Die Vögel“ zu kreuzen, wusste man sofort: Diese Show hat Serienpotential!

Denn es war Trash ausbaufähigster Güte, was Georg Bütow seinerzeit unter dem Motto „Schwanensee live“ zusammen mit seinem Darsteller- und Musikerensemble in der Brotfabrik Weißensee auf die hochsommerlichen Bretter haute: Indische Austauschschülerinnen wehrten lebensbedrohliche Schwanenattacken ab, indem sie sich den Angreifern wacker in Fatsuits entgegenwar- fen und dabei als Gloria-Gaynor-Verschnitte „I will survive“ schmetterten. Eigenbrötlerische Ornithologen brachten sich mit ihren akrobatischen Kopfdrehungsfähigkeiten um 360 Grad unter dringenden Tatverdacht. Und der Hobbypolizist Hansi, der bis dato nicht mit überdurchschnittlichen Falllösungsqualitäten auf sich aufmerksam gemacht hatte, tanzte zum glorreichen Finale immerhin ohne Fehl und Tadel den sterbenden Schwan. Dass die Zuschauer bei alledem großzügig mit Wodka abgefüllt wurden, war für den hohen Unterhaltungswert des Abends sicher nicht von Nachteil.

Die Fortsetzung der Schwanenshow – und hoffentlich auch eine Neuauflage der originellen Publikumsverköstigung – findet jetzt im Studio des Heimathafens Neukölln statt. In „Schwanfrieds Rache“ (heute und morgen, 21 Uhr) lädt der Protagonist – erklärtermaßen „Europas beste Partie“ – zur Brautschau in seine Sommerresidenz, auf der allerdings eine Art Fluch zu lasten scheint. Denn nicht nur Graf Schwanfried selbst benimmt sich eigenartig, sondern auch sein dauerbetrunkener Bruder Dr. Schwanula fällt wiederholt negativ auf. Die Macher versprechen einen „Theater-Parcours in Weiß: mit Hochzeitskapelle, Familiengruften, geheimen Filmarchiven und einem Jawort apokalyptischer Tragweite“, bei dem tatsächlich auch die Wodka-Cocktails nicht fehlen sollen. Bei schlechtem Wetter findet das verheißungsvolle „Mysterienspiel in und um das Schloss Neuschwanstein in Neukölln“ drinnen im Saal statt.

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