SPIEL Sachen : Das Schauspiel dauert 90 Minuten

Christine Wahl

Eine Ära geht zu Ende! Die Theaterwelt traut ihren Ohren nicht: Das Berliner Ensemble wird selbstkritisch! „Mit Abstand Letzter“, gestand die Leitung in ihrer jüngsten Pressemitteilung ein. Ja, es ist vorbei! Vorbei mit all den schönen Heldenlegenden aus der BE-Chefetage, die uns jahrelang zuverlässig ins Haus flatterten. Claus Peymann, so durften wir uns regelmäßig freuen, ist es erneut mit beispiellosem Heroismus gelungen, einen Schauspieler umzubesetzen! Oder: Claus Peymann hat in Villingen-Schwenningen Ovationen in Spielfilmlänge entgegengenommen. Unvergessen auch die Mitteilung vom Februar dieses Jahres, als eine Mitwirkende des „Zerbrochenen Krugs“ auf offener Bühne ihren Job hinschmiss: „Eines der zwölf Hühner, die in der Inszenierung von Peter Stein die Bühne bevölkern, verließ plötzlich das Zimmer des Dorfrichters Adam (Klaus Maria Brandauer!) und sprang beherzt in den bis auf den letzten Platz ausverkauften Zuschauerraum. Eine der zwei Mägde (...) sprang dem flüchtenden Huhn nach und fing unter atemloser Stille des gesamten Auditoriums den Ausreißer (...) wieder ein. Standing Ovations.“

Ach, was waren das für herrliche Zeiten! Und jetzt: „Mit Abstand Letzter.“ Vielleicht, schöpften wir für einen kurzen Moment noch einmal Hoffnung, reden sie doch nur von Bühnenbildern oder Auslastungszahlen oder so. Aber ach. Ausnahmsweise ging es tatsächlich mal richtig um was im Theater: Fußball! Das BE hat beim Turnier der Berliner Theatermannschaften 33 Gegentore kassiert. In fünf Spielen. „So kehrte sich im Sportlichen einmal die Rangfolge um“, klagt das Haus bitterlich. „Das BE ist ja, wie alle wissen, was Kunst und Besucherzahlen angeht, immer auf dem ersten Platz.“ Was für ein schwacher Trost!

Für die theatrale Hauptstadt-Liga heißt das: 1. Gorki, 2. Schaubühne, 3. Theater des Westens, 4. Volksbühne. Wir gratulieren Armin Petras und dem Siegerteam!

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