SPIEL Sachen : Der Querulant und die Prinzessin

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Gegen die Fußball-EM zu konkurrieren, ist fürs Theater nahezu unmöglich. Die meisten Bühnen versuchen es schlauerweise gar nicht erst: Ab dem heutigen Turnierbeginn herrscht zumindest in puncto Premieren Flaute.

Fußballgegner, die trotzdem nicht auf Bühnenkunst verzichten wollen und ein vergleichbares Absurditätsniveau suchen, wie es vergeigte Elfmeter und krasse Schiedsrichterfehlentscheidungen bieten, sollten sich das Projekt Z in der Schaubude vormerken (Do-So, 20 Uhr). Auf der Basis von Daniil Charms’ 1935 uraufgeführtem Marionettentheater-Stück „Zirkus Sardam“ hat Regisseur Hendrik Mannes einen Abend mit Figuren, Objekten und Musik für Erwachsene und Jugendliche geschaffen. In Charms’ Zweiakter ist der Zirkusdirektor schwer genervt von einem Querulanten namens Vertunov, der ungefragt jede Gelegenheit nutzt, um künstlerisch fragwürdige Darbietungen an die Zuschauerschaft zu bringen. Unter anderem hat Herr Vertunov die spektakuläre Nummer im Programm, „wie man auf allen vieren geht, einer Ziege täuschend ähnlich“. Im zweiten Teil setzt er sogar den kompletten Zirkus unter Wasser: eine Steilvorlage für ein Figuren- und Musiktheaterfest, das mit Hingabe in die Sphären des Surrealen vordringt.

Wesentlich realistischer ist da die Lektion, die unterdessen der Zuschauernachwuchs ab vier Jahren in der Schaubude lernt. Alexandra Kaufmann und Annegret Geist erzählen die Story vom König Drosselbart (Sa/So, 15 Uhr) mit Papierfiguren und vermitteln dabei die tragische Einsicht, dass so gut wie kein Partnerschaftsbewerber vollkommen ist: Die Prinzessin, die in besagtem Märchen der Brüder Grimm von ihrem Vater verheiratet werden soll, spürt an jedem Kandidaten gewaltige Defizite auf. Und so predigt das Theater, während die Kicker die europäische Krone anstreben, tatsächlich Genügsamkeit. In einem knappen Monat wissen wir, wer recht hat.

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