Spielsachen : Der Trend zur Zweitkarriere

Christine Wahl macht sich Gedanken über gescheiterte Geldanlagen.

Wie stark die Karrierechancen des Nachwuchses vom elterlichen Finanzvolumen abhängen, wird immer wieder diskutiert. Zum Beispiel im Kinder- und Jugendtheater an der Parkaue, das unter dem Motto „Darwins Erbe“ (heute, 10 und 19 Uhr) die Frage nach sozialen In- und Exklusionsmechanismen aus einer interessanten Perspektive stellt.

Julien und Jacques, zwei Jungs aus Montreal, können ihre Sommerferien leider nicht genießen, weil sie akute Geldnöte quälen. Denn Julien – ein Sohn aus wohlhabendem Haus – hat sich von dem gewaltbereiten Luc 500 Dollar geliehen, um sie in ein Pyramidenspiel zu investieren. Der Geldanlageversuch endete leider im Fiasko. Um Lucs Rache zu entgehen, müssen Julien und Jacques die Summe nun schnellstens auftreiben. Letzterer wird dabei zusehends sauer: Er, der sich sein Geld mühselig mit dem Sammeln von Pfanddosen erwirtschaftet hat und ein Fahrrad kaufen wollte, versteht nicht, wieso Julien nicht einfach seine Eltern fragt.

Das Theater an der Parkaue zeigt Evelyne da la Chenelières Stück über die Schwierigkeiten, mit Menschen aus anderen sozialen Schichten befreundet zu sein, in der Regie von Vicky Krieps als Koproduktion mit dem Théâtre National du Luxembourg. Kinder ab elf werden mit den Fragen konfrontiert: „Wer ist am besten an die Gesellschaft angepasst? Ist die Persönlichkeit ausschlaggebend oder findet die Auslese über Geld statt?“

Wir wollen hier nicht vorgreifen, sondern lieber bei dem bleiben, was wir wissen. Die Senioren aus dem Grimm-Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ werden wohl nicht zu denjenigen gehören, die beim „survival of the fittest“ die Nase vorn haben. Von ihren Arbeitgebern nach treuem Einsatz schnöde ausgemustert, sollen Esel, Hund, Katze und Hahn ohne Rentenansprüche aus ihren Betrieben gejagt bzw. in den Suppentopf entsorgt werden. Komplett subventionsfrei starten sie eine Zweitkarriere als Senioren-Combo.

Als Aufbaukurs zu „Darwins Erbe“ ist diese Produktion – ebenfalls im Theater an der Parkaue (heute und Mo 10 Uhr, So 11 Uhr) – unbedingt zu empfehlen. Zumal die Performer von Showcase Beat Le Mot, die das Haus bereits mit „Räuber Hotzenplotz“ und „Peterchens Mondfahrt“ gerockt haben, erst dort so richtig anfangen, wo Märchen normalerweise aufhören. Im Falle der „Bremer Stadtmusikanten“ stellt sich nach erfolgreicher Hausbesetzung die Frage: „Wie geht es weiter, wenn die Kohlen ausgegangen und die letzten Vorräte verbraucht sind?“

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