SPIEL Sachen : Die Ballade vom heiligen Trinker

von

Im Gegensatz zu Romanstoffen scheinen Filmadaptionen im Theater zurzeit eher rückläufig zu sein. Mit Flauberts „Madame Bovary“, Dostojewskis „Spieler“ oder Jonathan Littells „Die Wohlgesinnten“ fanden in der vergangenen Spielzeit jedenfalls wesentlich mehr literarische als cineastische Schwergewichte den Weg auf Berliner Bühnen.

Auch die Regisseurin Verena Busche hat sich bis dato keinesfalls des exzessiven Kino-Imports verdächtig gemacht. Zuletzt inszenierte sie mit Tschechows „Drei Schwestern“ einen Theaterklassiker. An Scott Coopers „Crazy Heart“ allerdings kam die 37-Jährige nicht vorbei: Monatelang habe sie der 2009 erschienene US-Film über den kaputten Country-Sänger Bad Blake beschäftigt; nicht zuletzt wegen der Musik. Die bildet – interpretiert vom Schauspieler Tobias Hey – denn auch das Herzstück von Busches Uraufführung The Country Heart in der Brotfabrik (heute und 3./4./22.8., 21 Uhr).

In Coopers Film sieht man der ehemaligen Country-Legende Blake (gespielt von Jeff Bridges) zunächst beim Absolvieren mauer Pflichtauftritte in heruntergerockten Kneipen oder Bowlingbars zu. Bevor der Mittfünfziger vor seine teilweise gerade mal die Dutzend-Grenze erreichende Zuschauerschar tritt, betrinkt er sich mit Whiskey. Sämtliche Versuche seines Plattenlabelchefs, den einstmals legendären Songwriter zu neuen Werken zu animieren, laufen selbstredend ins Leere – bis die Journalistin und Mutter Jean das Szenario betritt und aus einem Interviewtermin für ein Lokalblättchen eine zögerliche Beziehungsgeschichte wird.

Verena Busches Projekt „The Country Heart“ geht über eine schlichte Nacherzählung des Films freilich hinaus. Zwar blieben, so die Regisseurin, viele Handlungsstränge aus der Vorlage erhalten. Aber in der Probenphase mit den Akteuren Julia Schultchen, Tobias Hey und Daniel Hey ging es weniger um Abbildungsgenauigkeit als vielmehr darum, sich von den Filmmotiven inspirieren zu lassen und diese improvisatorisch weiterzuentwickeln. So ist Jean in Busches Stück beispielsweise keine besorgte Mutter, sondern eine noch sehr junge, kinderlose Frau auf dem Selbsterfahrungstrip.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben