SPIEL Sachen : Die Schnäppchen- Schauspieler

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Vor zehn Jahren traten ein paar dramatisch umgetriebene Mittdreißiger mit einer besonders provokationswilligen Werbekampagne auf den Plan: „Neue Autoren, frische Schauspieler, unverbrauchte Regisseure" riefen sie in alle Theater- und Redaktionsstuben-Winde. „Noch nie waren echte Menschen so preiswert.“ Hinter der Kampagne steckten die Gründungsmitglieder des Theaterdiscounters um Georg Scharegg, die seinerzeit „Ur- und Erstaufführungs-Schnäppchen zum Knüllerpreis“ von 9,99 Euro feilboten.

Wie immer bei freien Kulturneugründungen war die Zukunft des ideellen Günstiganbieters damals natürlich völlig ungewiss. Umso schöner, dass der Theaterdiscounter – nach einem Umzug und mehreren inhaltlichen wie ästhetischen Kursmodifikationen (ohne die ja bekanntlich keine Institution überleben kann und denen dankenswerterweise auch die besagte Offensivwerbung zum Opfer fiel) – jetzt seinen zehnten Geburtstag feiert. Denn mit großartigen Formaten wie dem „Spielplan Deutschland“, der regelmäßig zum herbstlichen Saisonstart anhand der landesweiten Spielzeit-Hefte inklusive Intendanten-Prosa einen angemessen witzigen Überblick über die künstlerische Lage der Nation gibt, oder dem jüngsten Monolog-Festival hat der Spielort in Alexanderplatznähe tatsächlich ein ganz eigenes Profil etabliert.

„Das Stadttheater ist tot / Leben wir noch?“ lautet nun das standesgemäße Partymotto zum Zehnjährigen – und die Einladung zu dieser denkwürdigen Veranstaltung (25.–27.4., 20 Uhr) besticht durch gnadenlose (Selbst-)Analyse: „Unser Zuschauer ist im Durchschnitt unter 30, verdient weniger als 1000 Euro im Monat und braucht keinen Parkplatz in Theaternähe. Freies Theater ist lebendig und unberechenbar, selbsterneuernd, bestens vernetzt und am Puls der Zeit. Es ist aber auch prekär und nicht immer nur gut.“

Die Zeichen stehen allerdings günstig, dass die letztere Einschränkung zumindest auf den Jubiläumsabend nicht zutrifft. Schließlich gibt es ein klares Feindbild: „Da der Lieblingsfeind Stadttheater schon wieder schwächelt, leisten wir freundlich Wiederbelebung in Form satirischer Verweise. Denn ohne ihn gäb’s uns ja gar nicht! Er muss dringend gerettet werden!“ Voilà!

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