SPIEL Sachen : Die Spitzel sitzen unter uns

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Mindestens ein Bühnentrend, so viel steht fest, wird uns auch 2012 erhalten bleiben: die Filmadaption. Das Centraltheater Leipzig gastiert nächste Woche (13./14. 1., 19.30 Uhr) mit einer Theaterversion von Aki Kaurismäkis „I Hired a Contract Killer“ unter der Regie von Michael Schweighöfer in der Box des Deutschen Theaters. Und der Theaterdiscounter startet gleich am morgigen Sonnabend mit einem „Abhörspiel“ nach Motiven von Francis Ford Coppolas New-Hollywood-Streifen „The Conversation“ („Der Dialog“) von 1974 ins neue Jahr.

Im Mittelpunkt steht der Abhörspezialist und Hobbysaxofonist Harry Caul, der den Auftrag erhalten hat, ein junges Paar namens Ann und Mark zu überwachen und dessen Unterhaltung auf Tonbändern mitzuschneiden. Da die Sache ihm allerdings immer nebulöser erscheint, bricht Harry irgendwann seinen ehernen Berufsgrundsatz, sich nicht in die Angelegenheiten der Klienten einzumischen – und verstrickt sich selbstverständlich ebenso ungewollt wie heillos in den „fremden“ Sachverhalt: Der Spitzel Harry wird nicht nur zum Mitwisser eines Mordplanes, sondern, schlimmer noch, ermöglicht besagten Mord sogar indirekt durch die eklatante Fehlinterpretation seiner Beobachtungsergebnisse.

Regisseur Gero Vierhuff interessiert sich in seiner Theaterversion „Lauschangriff“ (Sonnabend und Sonntag, 20 Uhr) natürlich vor allem für das moralische Dilemma, in dem Harry Caul stellvertretend für viele Zeitgenossen infolge seines Jobs festsitzt: Wie geht der verantwortungsbewusste Bürger damit um, dass Wissen automatisch involviert; ganz egal, ob er handelt oder die Sache aussitzt? Und wie hält er’s mit der Tatsache, mit der sich jeder gute Philosoph (und vor allem Sozialwissenschaftler) tagtäglich herumzuschlagen hat – dass nämlich jedwede Observation, jeder Beobachter, per se Gefahr läuft, den Beobachtungsgegenstand zu beeinflussen?

Während Coppolas Film mit Gene Hackman in der Hauptrolle zwischen Thriller und Psychodrama changiert, will die Theaterversion selbstverständlich ihren Live-Vorteil nutzen und die Zuschauer höchstselbst „zu Abhörspezialisten des Bühnengeschehens im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Sicherheitsbedürfnissen und dem Recht auf Privatsphäre“ machen.

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