Spielsachen : Diese Biene, die ich meine

Christine Wahl lauscht dem Summen des Theatersommers.

Auch, wenn der Sommer langsam zur Neige geht: Dass die Schaubühne die neue Saison mit ihrem delirierenden Sommernachtstraum (25.8., 21 Uhr) beginnt, passt hervorragend. Schließlich handelt es sich dabei um eine ausgedehnte Party, bei der die Zuschauer schon an der Türschwelle mit Küsschen und Bowle begrüßt werden und auch ansonsten alles Erdenkliche getan wird, um etwaige Hochkultur-Schwellenängste abzubauen: In der ersten gemeinsamen Arbeit des Schaubühnen-Intendanten Thomas Ostermeier und der Choreografin Constanza Macras versteigen sich die erotischen Fantasien – sehr frei nach Shakespeare – dergestalt, dass ehrenwerte Schauspieler freudig als Biene Maja auftreten. Oder dass sie – wie im fast schon legendären Falle Lars Eidingers, der übrigens hinterher im Foyer als DJ weiterfeiert – dem Strip-Genre unter Beigabe von Totenmasken und hehrem Textgut völlig neue diskursive Horizonte eröffnen.

So lustig und entspannt geht es natürlich nicht überall zu. Meistens wälzen die Paare und Passanten im Theater ja eher Probleme; daran ändert sich nach Lage der Dinge auch in der neuen Saison wenig. Der Klassiker: Romeo und Julia. Das dramatische Paar der Weltliteratur schlechthin wird bei der Berliner Shakespeare-Company im Shake, dem Zelt am Ostbahnhof (30./31.8., 20.30 Uhr), seine von engstirnigen Erziehungsberechtigten verschuldete Tragödie jedenfalls voll auskosten. Und auch im Arena-Dauerbrenner Caveman unter Regie von Esther Schweins (24./25. und 30.8.) erwartet den paarungsgeneigten Großstädter nichts als Stress: Wenn Protagonisten wie der Zeitgenosse Rob auf ihre imaginären Urahnen treffen, kann schließlich nur die Neuauflage der Erkenntnis herauskommen, dass Männer sich gern in Hobbykellern aufhalten und Frauen Tag für Tag, sagen wir, siebenundzwanzigmal so viel Vokabular aus sich herausholen wie die Kellerschweiger.

Wer wollte es dem Theater RambaZamba da verdenken, dass es in der Kulturbrauerei eine astreine Weiberrevue (5.9., 14 Uhr) feiert? Vom femininen Output abgesehen, gibt es bei den schrillen Rambazamba-Abenden sowieso stets Entdeckungen zu machen. Nämlich insofern, als die Akteure – kleinwüchsige Darsteller oder Schauspieler mit Downsyndrom – ihre sogenannten Behinderungen weniger als Handicap betrachten denn vielmehr als Besonderheit in die Waagschale werfen und sich so ganz zwangsläufig-unangestrengt vom Mainstream abheben.

Was nun den Geschlechterclinch betrifft, so zeigen sich zum Saisonstart letztlich doch noch versöhnliche Zeichen. Zumindest in der Brotfabrik (30.8.–1.9., 20 Uhr). Dort fristet unter dem schönen Motto Bodenhaltung eine Mittdreißigerin namens Manu ein gar unspektakuläres Leben, bis die Stimme ihrer Jugendliebe Hannes nach achtzehnjähriger Abstinenz plötzlich auf dem Anrufbeantworter ertönt. Mal sehen, ob Hannes auch auf Biene Maja steht.

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