SPIEL Sachen : Ein Mann boxt sich nach oben

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Das wurde aber Zeit: Schlappe 16 Jahre nach „Dogma 95“, dem Manifest der dänischen Filmregisseure um Lars von Trier und Thomas Vinterberg, zieht nun auch das Theater nach. Maximal drei Wochen Probenzeit im eigenen Wohnzimmer bei höchstens drei Probenstunden pro Tag – diese Eckdaten hat sich das schräge Puppentheater Das Helmi für seine neue Dogma-Reihe „Erdlochproduktion“ auferlegt. Verwendet werden darf ausschließlich „Strandgut“, das heißt: gefundenes Material. Zudem herrscht strenges Videoverbot. Zur Beleuchtung sind höchstens zwei Scheinwerfer zugelassen. Und in Anlehnung ans cineastische Genrefilmverbot entfällt die herkömmliche Trennung in Kinder- und Erwachsenentheater.

Es dürfte also absolut jugendfrei bleiben, wenn heute und morgen, 20 Uhr, im Ballhaus Ost Rocky den Kampf eröffnet. Ausgerechnet den US-amerikanischen Siebziger-Jahre-Hit mit Sylvester Stallone als Boxer Rocky Balboa, der seine überschaubaren Einkünfte mit Fights in abgerockten Buden und als Geldeintreiber für einen Kredithai verdient, hat sich das Helmi für seinen Dogma-Auftakt ausgesucht. Natürlich handelt es sich um eine eher freie Adaption: An der Lebensgeschichte Rockys, der plötzlich zum ernst zu nehmenden Herausforderer des amtierenden Champions Apollo Creed mutiert und bei dieser Gelegenheit auch einen erotischen Erfolg landet, interessiert die Puppenspieler ausdrücklich „die Phase vor dem Ruhm“. Denn dort liegen ideale Anknüpfungspunkte für so tiefenphilosophische Fragen wie: „Sind nur Loser glücklich und solidarisch?“ Das Dogma wird’s ans (Natur-)Licht bringen!

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