SPIEL Sachen : Eine Schwäbin in Berlin

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Heinrich von Kleist ist vergangenes Jahr, anlässlich seines 200. Todestages, zu Recht gefeiert worden. Landauf, landab jagte eine Kleist-Premiere die nächste. Berlin beteiligte sich unter anderem mit zwei Inszenierungen des Stalkerinnen-Dramas Das Käthchen von Heilbronn an den Feierlichkeiten. Im Maxim-Gorki-Theater interessierte sich der Regisseur Jan Bosse dabei besonders für die Genrebezeichnung „Ritterschauspiel“ und ließ seinen Hauptdarsteller Joachim Meyerhoff in einer scheppernden Rüstung durchs Szenario schreiten. Zudem offenbarte der Graf, der auf Schritt und Tritt von der titelgebenden Teenagerin verfolgt wird, eine unterhaltsame Prolligkeit.

Bosses Kollege Andreas Kriegenburg hingegen versuchte in seiner „Käthchen“-Version am Deutschen Theater, die jugendliche Stalkerin mit Heinrich von Kleists Biografie kurzzuschließen, und ließ zu diesem Zweck einen multiplen – sprich: sechsfachen – Heinrich im historisierenden Kostüm durch die Schreibstube berserkern.

Retrospektiv gibt es keinen Grund, zu behaupten, dass hier nicht für spätere Versuche genügend Interpretationsluft nach oben geblieben wäre. Die Schnelligkeit, mit der das Ritterspiel nun allerdings in einem dritten Anlauf auf uns zukommt, erstaunt schon ein bisschen.

Doch die Regisseurin Mareile Metzner und ihr Team scheinen sich hundertprozentig sicher zu sein, dass Berlin unbedingt eine weitere Käthchen-Inszenierung braucht. Man gehe „mit dem Grafen vom Strahl auf Heils- und Identitätssuche“ und befrage „Kleists eigenes finales Credo, dass ihm ,auf Erden nicht zu helfen war‘, aus dem Blickwinkel des 21. Jahrhunderts“, verspricht die Crew für ihr Projekt im Theaterdiscounter (vom heutigen Freitag bis So, 20 Uhr). Von einer „Beschleunigung auf Jetzt-Zeit“, „produktiven Leerstellen“ und „neuen Rollenbildern“ ist die Rede. Mal sehen, ob die junge Schwäbin das aushält!

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