SPIEL Sachen : Endstation Flughafen

Christine Wahl

Vergesst die Psychoanalyse! In den USA hat man sich bereits einem originelleren Programm zur Erforschung eigener Vorzüge und Defizite zugewendet: Man sucht sich eine Firma für genetische Spurenrecherche, bekommt ein schick designtes Spuckröhrchen zugeschickt zwecks Klärung der Herkunft, Krankheitswahrscheinlichkeiten etc.

Die ersten, die diese Neuigkeiten auch unter dem Theatergängervolk bekannt machen, sind natürlich die Wirklichkeitsrechercheure von Rimini Protokoll, diesmal in der Besetzung Helgard Haug und Daniel Wetzel. Sie fragen in „Black Tie“ im HAU 3 (11.–13./15.–17.12., 20 Uhr) aber nicht nur, was Genanalysen heute können, morgen bringen wollen und wie sich Fachleute dazu positionieren. Sondern es geht auch darum, ob man – zumal im Zeitalter von Migration und Globalisierung – überhaupt an so etwas wie dem Ursprungsgedanken von Biografien festhalten kann.

Ebenfalls ein Novum: Auf der Bühne stehen nicht – wie sonst üblich – mehrere „Experten des Alltags“, die den Untersuchungsgegenstand aus möglichst vielen verschiedenen Perspektiven beleuchten. Sondern diesmal soll eine spezielle Geschichte eher in der Tiefe ausgelotet werden. Die Journalistin Miriam Yung Min Stein, die mit ihren Anfang dreißig schon bei Christoph Schlingensief gespielt, als Werbefilmerin in New York gearbeitet und ein autobiografisches Buch geschrieben hat, wurde als Kind aus Südkorea nach Deutschland adoptiert. Ihre Geschichte beginnt auf diesem deutschen Flughafen; von der Zeit davor kennt sie nur Wahrscheinlichkeiten, keine Fakten. Anhand ihrer Biografie wird sich der Abend auch generell mit den „schwarzen Löchern“ beschäftigen, die internationale Adoptionen, gut gemeinte Hilfsaktionen oder Samenspenden aufreißen.

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