SPIEL Sachen : Garantiert schweißfrei

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Ob als literaturwissenschaftliche Experten in Goethes „Faust“ oder als Ritter-Combo in Kleists „Käthchen von Heilbronn“: Puppen sind en vogue. Regisseure wie Nicolas Stemann oder Jan Bosse haben die altbackene Vorstellung vom Puppentheater als süßlicher Kinderbespaßungsmaßnahme ein für allemal ins Reich des Gestrigen verbannt.

Eine tolle und garantiert zeitgemäße Überdosis Puppenspiel ist dieses Wochenende in der Schaubude (Greifswalder Straße 81–84), der Abteilung Puppenspiel der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ sowie dem benachbarten Weiten Theater (beide Parkaue 25) zu erleben. Unter dem Motto „function: mensch“ feiert die „Ernst Busch“ an allen drei Standorten das vierzigjährige Bestehen ihres Studiengangs Puppenspielkunst. Die Puppe sei eine Idealbesetzung für die Gegenwartsbühne, weil sie „mit ihren Nähten am Körper etwas über unsere brüchige Existenz“ erzähle und „scheinbar Bekanntes transpirationsfrei“ verfremde. Kein Wunder, dass moderne Ehehöllen-Klassiker wie „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ genauso auf dem Programm (www.hfs-berlin.de) stehen wie Reflexionen über Humphrey Bogart oder eine nachwuchsfreundliche Version von Schillers „Tell“ für Kinder ab acht.

Eine von der „Theater-heute“-Redakteurin Barbara Burckhardt moderierte Diskussion hinterfragt sogar, ob die innovationsfreudige Berufsgruppe der Puppenspieler als Musterbeispiel für den von Richard Sennett beschriebenen „flexiblen Menschen“ gelten kann (Fr, 16.30 Uhr, Theater an der Parkaue). Mehr Zeitgenossenschaft geht wirklich nicht!

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