SPIEL Sachen : Helle Köpfe, dreiste Kobolde

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Merkwürdig eigentlich, dass das Ende der Glühbirne bis jetzt noch nicht dramatisch aufgearbeitet wurde. Die United Puppets holen dieses Versäumnis jetzt mit Grandezza nach: Im Puppentheater Schaubude richten Melanie Sowa, Mario Hohmann und Pierre Schäfer der scheidenden Lichtspenderin eine würdige Abschiedsshow aus, indem sie sie zur Protagonistin eines beliebten Märchens der Gebrüder Grimm adeln. Das Rotkäppchen oder Bye bye Birne (So, 15 Uhr) heißt die 40-minütige, vom Theater an der Parkaue koproduzierte Aufführung für Kinder von vier bis acht Jahren, in der die gute alte Glühbirne tatsächlich in sämtlichen Rollen erstrahlen wird: „Jeder Puppenkopf ist eine Lampe“, versprechen die United Puppets.

Und dass das Personal des Märchens dabei „im reichhaltigen Glühbirnensortiment“ jede Menge „poetische und verblüffende Entsprechungen“ findet, versteht sich von selbst. Für den Wolf jedenfalls, der das brave Kind mit dem leuchtenden roten Käppchen unter Anwendung schnöder Tricks gierig verschlingt, dürften sich durch die Besetzungspolitik der United Puppets ein paar zusätzliche Probleme ergeben: Abgesehen davon, dass ein helles Birnenköpfchen seine Maskerade eigentlich besser durchschauen müsste als das gutgläubige Exemplar im Original, wird der wölfische Verdauungstrakt nach der brutalen Einverleibung des Rotkäppchen-Hauptes aufgrund von dessen Beschaffenheit und Strahlkraft vor bisher ungeahnte Herausforderungen gestellt.

Wer nach diesem vergnüglich-denkwürdigen Erlebnis noch eins draufsetzen möchte, sollte sich, ebenfalls in der Schaubude, die Freakshow – The Best in Town am heutigen Freitag (20 Uhr) nicht entgehen lassen. Nach den märchenhaften Leuchthäuptern treten hier in Gestalt von Fischdamen, Kobolden, schwebenden Jungfrauen und Werwölfen im Blutrausch ebenfalls sehr illustre Gestalten auf. Sabine Köhler und Heiki Ikkola betrachten ihre „Performance mit Masken und Objekten“ gleichermaßen als „Hommage an das Fremde“ wie als „trashige Nummernrevue aus dem Bodensatz des Zirkus“. Auch hier darf also aus gutem Grund mit künstlerischen Leuchttürmen gerechnet werden.

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