SPIEL Sachen : Inspiration für die Rezitation

Christine Wahl

Jedem dritten Kind, das hat die repräsentative Studie „Vorlesen im Kinderalltag 2008“ gerade zutage gefördert, wird nicht vorgelesen. Beim Rest springen vor allem die Mütter in die Rezitationsbresche: Glaubt man den befragten Junioren zwischen vier und elf Jahren, betätigen sich lediglich acht Prozent der Väter als Hobby-Deklamierer.

Vielleicht ändert sich das, wenn die Eltern selbst ein bisschen Märchen-Nachhilfe bekommen. Das Hexenkessel Hoftheater, das am heutigen Freitagabend auf dem Bunkerdach im Monbijoupark vis-á-vis des Bode-Museums wieder seine winterliche Märchenhütte eröffnet (bis 28. Februar, Programm unter www.maerchenhuette.de), versucht, der erwachsenen Zielgruppe auf die Sprünge zu helfen. Im letzten Jahr, so die Theater-Betreiber, seien bereits erstaunlich viele Erwachsene zu spätabendlicher Stunde – ohne Kinder – mit leuchtenden Augen und erwartungsfrohen Herzen in die Hütte geschneit.

Man kann das zwar durchaus als Beleg für die fortschreitende gesellschaftliche Infantilisierung nehmen, aber infolge der alarmierenden elterlichen Vorleseschwäche zur Abwechslung auch mal gnädig positiv deuten und hoffen, dass die betagten Zeitgenossen sich beim nunmehr ausgebauten aktuellen Erwachsenenprogramm Inspiration für die eigene Rezitationsperformance zu Hause holen.

Die Lektionen in der Märchenhütte sind jedenfalls vorbildlich komprimiert: Zwei Grimmsche Stories werden pro Stunde aufgeführt. Los geht’s heute ab 20 Uhr sogar mit einem Fünferpaket von „Dornröschen“ über „Jorinde und Joringel“ bis zum „Teufel mit den drei goldenen Haaren“. Die Hütten-Nachmittage indes sind – wie gehabt – den Kindern vorbehalten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben