SPIEL Sachen : Kater statt Mutter

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Hohes Lichterketten-, Knusperhaus- und Kunstschnee-Aufkommen ist im Kindertheater während der Adventszeit ja sozusagen verpflichtend. Aber einige Häuser dringen auch geradewegs zum weihnachtlichen Kern hindurch. Der Adventsbeitrag Fjodor, Hund und Kater im Theater an der Parkaue (19.12., 14/19 Uhr, 20.12., 9 Uhr) beispielsweise lässt sich wunderbar als Praxis der inneren Einkehr rezipieren. Schließlich werden hier in einer keine Wünsche offen lassenden Theaterparty ernsthaft alternative Lebensmodelle vorgestellt. Eine Existenzform jenseits der klassischen Kernfamilie wird im Falle Fjodors allerdings auch bitter nötig. Denn als der Junge einen im Treppenhaus aufgefundenen Kater mit nach Hause bringt, stellt ihn seine Mutter vor eine Wahl, die man sonst nur aus klischierten Dreiecksbeziehungsfilmen im deutschen Fernsehen kennt: „Er oder ich!“

Logisch, dass Fjodor sich für den Kater entscheidet, hatte der ihm doch mit menschlicher Stimme ein Geheimnis verraten, das die Lebensqualität enorm steigert: Fjodor weiß jetzt, mit welcher Verzehrtechnik man aus einem Wurstbrot den maximalen Genuss herausholt. Kein Wunder, dass der Junge da neben dem Kater auch Hund Scharik und Dohle Schnäppchen mit aufs Land schleppt, um eine WG der humanistisch-animalischen Koexistenz zu gründen.

Natürlich hat sich Autor Eduard Uspenski, den das Theater als „russischen Janosch“ vorstellt, mit der Kuh Murka, dem misstrauischen Postboten Öfchen, einem eigenwilligen Professor und einem verfressenen Traktor ein verheißungsvolles Sozialumfeld für die neue Wohngemeinschaft ausgedacht. Und Regisseur Thomas Fiedler, der für seine Vorgänger-Inszenierung „Radau!“ zu Recht den Berliner Ikarus-Preis 2011 erhielt, tut das Seine zur Feier neuer Perspektiven für junge Alternative ab sechs – und natürlich: deren Eltern, sofern die nicht zugunsten eines Katers verlassen wurden.

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