SPIEL Sachen : Katze, Axt, Kaninchen

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Die Sommertheatersaison hat einen entscheidenden Vorteil: Sie ist extrem familienfreundlich. Nicht nur das Theater RambaZamba richtet sich mit seiner Open-Air-Produktion „Alice auf Kaninchenjagd“ im Hof der Kulturbrauerei (22.–24.6., 11 und 17 Uhr; 25.6., 16 Uhr) gleichermaßen an Kinder ab fünf wie an deren Eltern- und Großeltern-Generation. Während anderswo unter freiem Himmel lustige Shakespeare- oder Goldoni-Komödien als altersübergreifende Kulturangebote inszeniert werden, haben Regisseurin Gisela Höhne und ihre Truppe auf der Basis von Lewis Carroll ein lustvolles Crossover aus Slapstick, Tanztheater und Zaubershow entwickelt. Natürlich versäumt das Theater RambaZamba, in dem Akteure mit sogenannter Behinderung seit über 20 Jahren unter Profi-Bedingungen Theater spielen, dabei nicht, die Regeln, Terminversessenheit und Tabus der Erwachsenenwelt zu hinterfragen. Gespielt wird unter einem bunten Sonnensegel, das Moritz Höhne – gleichzeitig Darsteller der äußerst genussfähigen Raupe sowie Komponist des musikalischen Leitmotivs des Abends – entworfen hat. Freuen darf man sich nicht nur auf ein seltsames Königspaar, das statt ernsthafter Beziehungsdebatten Scheingefechte über Mixgetränkegläser und Untertassen führt, sondern auch auf Kochlöffelballette sowie martialisch geköpfte Stofftierhasen.

Wesentlich ernster und düsterer als bei Alice, die von der tollen Juliana Götze gespielt und getanzt wird, geht es in Lubricats Produktion „Lichterloh“ (18./19. und 24./25.6., 20.30 Uhr) zu. Der auf dem Roman der Australierin Sofie Laguna basierende Abend entführt in eine beklemmende Kindheit: Hester, die von ihren Eltern in einem Haus im Wald großgezogen wird, durfte noch nie einen Fuß vor die Tür setzen, geschweige denn mit anderen Kindern reden. Eine illustrierte Kinderbibel ist ihr einziger Besitz, und Katze, Axt, Löffel und Baum werden in dieser Situation zu Vertrauten und Gesprächspartnern. Die hoch konzentrierte Inszenierung läuft in der Vierten Welt (Adalbertstr. 4), einer relativ neuen kleinen Spielstätte in Kreuzberg, die gerade mal zwanzig bis dreißig Zuschauer fasst und von Lubricat-Regisseur Dirk Cieslak mitbegründet wurde.

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