SPIEL Sachen : Konsumkritische Kräuterweiber

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Dass man spätestens mit Einbruch der Adventszeit allüberall über Märchen stolpert, ist nicht neu. Schon das siebte Jahr in Folge macht sich beispielsweise die Berliner Märchenhütte, die Winter-Variante des Hexenkessel Hoftheaters, erfolgreich um die Kinder- und Hausmärchensammlung der Brüder Grimm verdient: Alle erdenklichen Stieftöchter, Hexen oder Monarchen, die das Grimm’sche Werk zu bieten hat, werden hier als kompakte Halbstünder inszeniert, zu Doppelpacks geschnürt und Nachmittag für Nachmittag in verschiedenen Kombinationen auf die Bühne gebracht. Dieser Samstag steht unter einem unverkennbaren Konsumkritik- Schwerpunkt: Die Kombination Der Fischer un sin Fru mit Hans im Glück (1.12., 15 Uhr) steigt jedenfalls tief ein in die fragwürdigen Besitzansprüche unersättlicher Ehefrauen und ihr Gegenstück: das finale materielle Verzichtsglück junger Berufseinsteiger.

Diesen Winter allerdings gibt es ein besonderes Jubiläum zu feiern: Vor 200 Jahren, genau am 20. Dezember 1812, erschien der erste Band der Kinder- und Hausmärchen. Für die Theatermacher ist das nicht nur ein willkommener Anlass, am ersten Advent eine zweite Märchenhütte zu eröffnen. Überdies steht am Nikolaustag eine „Märchenwelt-Welturaufführung“ auf dem Programm, die en detail zeigt, „wie die wackeren Brüder Jacob und Wilhelm dereinst durch die dunklen Wälder streiften, um die mythischen Schätze alter Volkskunde von den Lippen greiser Kräuterweiber zu klauben“. Wobei sich die Aufführung Die Gebrüder (6.12., 20 Uhr) in der Regie von Jan Zimmermann verpflichtet, nichts als „die ganze Wahrheit“ über die Grimm-Verwandtschaften ans Licht zu bringen. Apropos Leuchtkraft: Eine neue Märchen-Inszenierung „Das blaue Licht“ (Premiere 6.12., 21.30) rundet das Jubiläumsprogramm würdig ab.

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