SPIEL Sachen : Krieg trifft Club

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Über das „angesagte Berlin“ ist in den vergangenen Jahren eher zu viel geredet worden. Dass es in der Produktion Frösche im heißen Wasser der Berliner Spreeagenten, die am heutigen Freitag im Horst Krzbrg (20 Uhr, Tempelhofer Ufer 1) Dernière hat, laut Ankündigung auch um „das prosperierende Berlin im ausgehenden 20. Jahrhundert“ als „Symbol der Freiheit und des Aufschwungs“ gehen soll, schreckt da zunächst einmal ab.

Dabei wird hier mehr verhandelt als der Hipness-Hype: Die Regisseurin Susanne Chrudina und ihr Team kontrastieren das Berlin der späten neunziger Jahre mit der serbischen Hauptstadt Belgrad zur Zeit des Kosovokrieges im Frühjahr 1999. Sowohl in Belgrad als auch in Berlin haben sie dafür mit Zeitzeugen Interviews geführt – immer ausgehend von der Frage, was den Unterschied ausmacht, in einem friedlich wiedervereinigten oder in einem vom Krieg zerrissenen Land aufzuwachsen. Das Material verdichteten der serbische Dramatiker Filip Vujoševik und die deutsche Autorin Charlotte Ross mit der Regisseurin zu einem Theaterabend in deutscher, englischer und serbischer Sprache, an dem „Wohlstandsmüdigkeit auf existenzielle Erschütterung“ trifft.

Das Setting ist eine Clubnacht im Jahr 1999, wobei die Zuschauer zugleich bei einer Gruppe von Freunden in Belgrad und in Berlin zu Gast sind: „Die Partyatmosphäre mischt sich mit persönlichen Statements, Zukunftsgedanken und einer Reflexion der aktuellen Ereignisse“, erklären die Spreeagenten. Dabei verspricht das Künstlerkollektiv, auch „Hintergründe und bislang Ungesagtes des letzten europäischen Krieges“ offenzulegen.

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