SPIEL Sachen : Missionare gehen in Stellung

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Nachdem Regierung und Feuilleton gerade mal wieder die Frauen-(Quoten-)Diskussion geführt haben, scheint nun auch das Theater zu reagieren. Im Ballhaus Ost beschäftigen sich die schrägen Puppenspielkünstler vom Helmi – gemeinsam mit den beiden „menschlichen Stargästen“ Anna Böger und Bettina Grahs – mit der Frage, ob die Menschheit in einem reinen Frauenuniversum eigentlich besser dran wäre.

Dafür, dass das weniger diskursaffin und politisch korrekt ausfallen dürfte, als es zunächst klingen mag, spricht nicht nur die ausführende Künstler-Crew. Auch die Vorlage kann sich sehen lassen: Das Helmi greift auf die polnische Science-Fiction-Komödie Sexmission (Sa/So, 20 Uhr) aus den 1980er Jahren zurück. Die beginnt für die beiden Wissenschaftler Max und Albert zunächst überaus erfreulich. Nachdem sie zu experimentellen Zwecken mehrere Jahrzehnte lang eingefroren waren, erwachen sie im Jahr 2044 wieder – und sehen überall und ausschließlich Frauen. Ein Paarungsuniversum der unbegrenzten Möglichkeiten tut sich in den Wissenschaftlerfantasien auf: Nach einem Krieg, den Max und Albert in der Kälteschockstarre verschlafen haben, existieren außer ihnen keine Männer mehr auf der Welt. Man lebt in Städten unter der zerstörten Erdoberfläche, und die Fortpflanzung erfolgt durch Jungfernzeugung.

Natürlich trübt sich die Freude der beiden Wissenschaftler gewaltig, als sie durch einen operativen Eingriff selbst zu Frauen gemacht werden sollen. Neben diesen beiden Jungs, die ihr Leben partout nicht als Frauen weiterfristen wollen, sorgen auch Feministinnen, die bei der ersten erotischen Minimalverlockung zu devoten Weibchen mutieren, für hinreichend Diskussionsstoff, der mühelos den Anschluss an den tagesaktuellen Diskurs finden dürfte.

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