SPIEL Sachen : Schwabe trifft Frosch

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Das ist doch mal ein Anspruch: Das Inszenierungsteam um Reto Kamberger, vermeldet das umtriebige kleine Theater unterm Dach (Danziger Str. 101), begebe sich „auf die Suche nach Ideen und Bildern für eine pluralistische Gesellschaft“. Und das in Prenzlauer Berg, zumindest dem Klischee nach einem der homogensten Kieze der Stadt.

Unter dem zugegebenermaßen etwas pädagogisch anmutenden Titel Integrare heißt Erneuern! (Fr-So, 20 Uhr) treffen vier Großstadtbewohner mit denkbar unterschiedlichen biografischen und kulturellen Hintergründen aufeinander: eine Frau aus dem Osten, ein junger Westberliner, ein türkischer Migrant und – das bezirkseigene Klischee schlechthin – eine aus Schwaben zugezogene Neuberlinerin. Sie alle geraten in Kambergers zusammen mit dem Ensemble entwickelten Stück mit ihren jeweiligen An- und Einsichten produktiv aneinander. Die Themenkomplexe: Kinder, Utopien, Enttäuschungen, die Mauer und das vermeintlich alles dominierende „Gefühl, dazuzugehören oder nicht“.

Zeitgenossen von unterschiedlicher Herkunft treffen dieser Tage auch im Theaterforum Kreuzberg (Eisenbahnstraße 21) aufeinander. Auch sie treiben die thematischen Dauerbrenner des Lebenssinnsuche-Genres um: Ihre Diskussion dreht sich um die Oppositionspaare Leben und Tod, gesund und krank, gut und böse. Aber in einem Punkt unterscheiden sich die Kreuzberger Grübler doch erheblich von ihren Kollegen in Prenzlauer Berg. Sie haben das alles schon hinter sich und sind gewissermaßen längst auf einer neuen Stufe angelangt. Das Septett aus Christoph Schlemmers Inszenierung Happy Reincarnation! im Theaterforum (27.9., 20 Uhr) hat sich nämlich bereits für einen Neuanfang – sprich: für ein professionelles Wiedergeburtsprogramm – entschieden und kommt nun eine Stunde vor dem großen Ereignis im Wartezimmer zu einem Gruppengespräch zusammen. Ein schwuler Fußballer, eine alleinerziehende Mutter, ein Zahnarzt, eine Selbstmörderin, ein Unfallopfer, eine Nymphomanin und ein bereits reinkarnierter Frosch wollen herausfinden, ob man alte Muster tatsächlich verlassen kann oder aber dazu verdammt ist, sie unter neuen Vorzeichen auf ewig zu wiederholen.

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