SPIEL Sachen : Sound der Steine

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Mit dem Theater kann man gar nicht früh genug beginnen. Die „optimale Performance“ in Job und Bett, das austarierte „Rollenspiel“ in der Beziehung: Die Begrifflichkeiten, mit denen Gesellschaftswissenschaftler und Frauenzeitschriftskolumnistinnen unser „social life“ beschreiben, werden zusehends dramatischer. Wer später mal ein optimaler Regisseur seines eigenen Lebens werden will, sollte beizeiten lernen, die Strippen zu ziehen.

Das charmante kleine Theater o. N. (Kollwitzstr. 53) coacht in diesem Sinne bereits designierte Lebenskünstler-Persönlichkeiten ab zwei Jahren. An entsprechendem Publikum sollte es nicht mangeln: Die Bühne befindet sich dort, wo der Prenzlauer Berg am klischeegesättigtsten ist. Aber natürlich sind auch kiezfremde Nachwuchstheatraliker herzlich zu den Vorstellungen eingeladen (11./12.2., 16 Uhr, und 8.–10.2., nur auf Vorbestellung, Tel. 4409214 oder www.theater-on.com).

Die musikalische Performance „Kling, kleines Ding“ appelliert gleichsam an den (lebens-)architektonischen Erfindergeist: Drei Menschen begegnen sich in einer Steinlandschaft und entlocken den Brocken, die selbstredend nur für gänzlich fantasiefreie Geister eine leblose, stumme Masse darstellen, Erstaunliches. Eine Akteurin sieht im scheinbaren Geröllchaos eine tiefere Ordnung. Ein anderer lauscht ihm interessante Tonfolgen ab. So erzählt das „kleine musikalische Steinreich“ unter der Regie von Bernd Sikora Bemerkenswertes „über die Materie, ihre Regeln und die Handlungsfreiheit des Menschen“. Und selbstredend dürfen die Kinder am Schluss – hier kommt der Wert für die spätere Lebensplanungsfitness ins Spiel – „ihre eigenen Wege und Ideen“ durch die Steinlandschaft finden. Aber keine Angst: Da zumindest im Theater Pädagogik längst kein Synonym mehr für offensichtliche Didaktik ist, werden die jungen Wegbereiter vor allem Spaß haben.

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