SPIEL Sachen : Wenn Baby ins Theater geht

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Mit dem Theater ist es wie mit allen wichtigen Dingen im Leben: Man kann gar nicht früh genug damit anfangen. Die fortschrittlichen Schweden haben das längst erkannt. Bei ihnen wird der Nachwuchs bereits in die Grundbegriffe der Bühnenästhetik eingeführt, bevor seine Synapsen vom Erlernen anderer Kulturtechniken wie Laufen oder Sprechen übermäßig blockiert sind.

Tatsächlich ist das schwedische Babydrama kein Aprilscherz: Protagonistinnen wie die international renommierte Theater- und Filmregisseurin Suzanne Osten, die vor mehr als 30 Jahren das Kinder- und Jugendtheater Unga Klara gründete und seit 1995 als Professorin am Dramatischen Institut in Stockholm lehrt, bürgt für höchste Qualität in diesem Genre. Die Texte, die sich auch mit komplexeren Themen – zum Beispiel Schwangerschaft und Geburt – auseinandersetzen, entstehen in enger Zusammenarbeit mit Kinderpsychoanalytikern. Und Augenzeugen berichten, dass sich der Zuschauernachwuchs während der Vorstellungen tatsächlich amüsiert, auf seine Begleitpersonen einbrabbelt und kaum an sich halten kann, selbst auf die Bühne zu krabbeln. Parkettschläfrigkeit jedenfalls soll anders lautenden Mutmaßungen zum Trotz in dieser Altersgruppe signifikant seltener auftreten als bei der Eltern- und Großelterngeneration.

Ganz so früh startet das hiesige Theater ohne Namen in Prenzlauer Berg (Kollwitzstraße 53) zwar nicht mit der dramatischen Sozialisation. Aber keine Angst: Auch wer erst mit 24 Monaten in die hohe Bühnenkunst eingeführt wird, hat gute Chancen, noch in diesem Leben zu einem veritablen Publikumsprofi zu reifen. In „O Himmel blau“ spielt Ania Michaelis für Kinder ab zwei Jahren mit sämtlichen Erkundungen, die unter dem titelgebenden blauen Himmel so möglich sind: Klänge, Töne, Laute, Worte. Für die nächsten Vorstellungen (Di, 5. 4. bis Do, 7. 4., jeweils 10 Uhr) sind Vorbestellungen nötig (Tel. 030 / 440 92 14 oder online: www.theater-on.com).

Das Theater für die Zielgruppe ab zwei ist übrigens auch international seit einigen Jahren im Kommen. Die Crew vom Theater ohne Namen hat sich intensiver mit diesem Genre auseinandergesetzt und mit „Kokon“ gleich noch ein zweites Stück für besagte Klientel im Repertoire: Darin denken die Schauspieler Minouche Petrusch und Karlo Hackenberger während der langen Nacht der Opern und Theater über Träume, Verwandlungen, Panzerungen und Schutzlosigkeit nach (am 16. 4., zu jeder vollen Stunde zwischen 19 und 0 Uhr).

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