Spielsachen : Wie kommt der Vogel zum Berg?

Christine Wahl hat Hunger auf Theaterfrischfleisch

Christine Wahl

Klingt eigentlich nach guten Zeiten für die Gegenwartsdramatiker: Die Zahl der Ur- und Erstaufführungen, meldet der Deutsche Bühnenverein, ist seit den 90er Jahren um 30 Prozent gestiegen. Das Problem ist nur: Gleichzeitig sank die Vorstellungszahl pro ur- und erstaufgeführtem Werk gewaltig; ebenfalls um zirka 30 Prozent. Im Klartext: Zwar schmücken sich die Theater gern mit jungen Dramatikern und neuen Stücken. Aber viele werden dann nicht nachgespielt und verschwinden wieder aus dem Repertoire.

Die Berliner Battle-Autoren, eine Dramatiker-Gruppe um Katharina Schlender, Rolf Kemnitzer und Andreas Sauter, haben diese Entwicklung bereits vor zwei Jahren mit einer Autorenerklärung gekontert, die mittlerweile von fast zweihundert Betroffenen und Sympathisanten unterschrieben wurde. „Qualitätsgeilheit statt Frischfleischwahn“, lautet die Hauptforderung leicht reißerisch. Von heute bis Sonntag laden die Battle-Autoren nun zu den DramaTischTagen 09 ins Theater Eigenreich. Präsentiert werden Stücke der letzten 15 Jahre von Dramatikern, die in Berlin leben und in anderen Städten schon uraufgeführt wurden.

Nun bekommt auch das HauptstadtPublikum seine Chance. Den Start macht Kai Grehn mit „Der Berg, über den kein Vogel fliegt“, einem „unromantischen Bergsteigerdrama“ nach eigenen Himalaya-Expeditionserfahrungen (heute, 19 Uhr). Ingrid Lausund setzt am Sonntag, 20 Uhr, den Schlusspunkt mit „Benefiz – jeder rettet einen Afrikaner“: Fünf Personen studieren eine Wohltätigkeitsveranstaltung für eine Schule in Afrika ein.

Rolf Kemnitzer, einer der Begründer, hofft, auf längere Sicht mit seinen Mitstreitern ein eigenes Theater gründen zu können. Statt Schnellschüssen soll es „mehr Zeit und Raum“ für Stoffentwicklung wie -umsetzung geben, statt glatter „Design-Stücke“ die Förderung individueller Stimmen. Klingt nach guten Zeiten für die Gegenwartszuschauer.

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