Kultur : Spitzenfinger

Mihkel Kütson gewinnt Deutschen Dirigentenpreis

Isabel Herzfeld

So entspannt dirigiert man wohl nur, wenn man gerade gewonnen hat: Mit dem sechsten Ungarischen Tanz von Johannes Brahms entfacht Mihkel Kütson ein Feuerwerk an Klangbrillanz und überwänglich guter Laune, und das Deutsche Symphonieorchester Berlin folgt ihm bis in den kleinsten Wink seiner Fingerspitzen. Der 35jährige Este hat soeben den Deutschen Dirigentenpreis gewonnen: Die erstmals verliehene Auszeichnung krönt eine mehrjährige Förderung durch das Dirigentenforum des Deutschen Musikrats und enthält neben dem Preisgeld von 15 000 Euro weitreichende Engagements. Der Grundstein für eine erfolgreiche Karriere dürfte gelegt sein.

Ravels „Daphnis und Chloé“ ist zum Beweis dirigentischer Fähigkeiten natürlich nur zu geeignet; doch wie die Musik unter Kütsons sensibel-prägnanter Führung zu glimmern und glänzen, glühen und blühen beginnt, ist außergewöhnlich. Der künftige GMD des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters verfügt über die seltene Balance von rhythmischem Temperament und ausschwingender Ruhe, Sinn für Klang und Architektur.

Dicht auf den Fersen folgten zwei Mitstreiter: Der Amerikaner Evan Christ (Jahrgang 1970) empfiehlt sich mit einem fulminanten „Feuervogel“ von Strawinsky als Energiefunken schlagender Kommunikator, doch könnte weniger hier mehr sein. HendrikVestmann, 1974 im estnischen Tartu geboren, hat es sich mit Brahms’ Haydn-Variationen vergleichsweise schwer gemacht, doch beeindruckt er mit klarer, feiner Linienführung. Mit mehr Mut zur Persönlichkeit wird auch er seinen Weg machen.

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