Kultur : SPK: Der Deckel muss weg

Bernhard Schulz

Die Sorgen vergangener Zeiten scheinen wie weggeblasen, wenn Klaus-Dieter Lehmann Bilanz zieht. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) hatte gestern beim Rückblick seines Hauses auf das Jahr 2000 Erfolge zu vermelden, und er kündigte große Taten an - nicht im Tonfall eines Triumphators, sondern des seine Visionen mit Sachkompetenz zügelnden Managers, als der er das schlingernde Schiff dieser größten deutschen Kultureinrichtung wieder auf Kurs gebracht hat.

Fast beiläufig erwähnte er, dass die SPK erstmals nicht von den jährlichen Personalkürzungen betroffen sein wird - eine Entscheidung, die angesichts der personellen Auszehrung in den Vorjahren kaum hoch genug veranschlagt werden kann. Auch die Finanzen sind mit einem Haushalt von insgesamt fast 492 Millionen Mark prima vista in Ordnung. Der Etat für die Baumaßnahmen steigt in diesem Jahr auf 220 Millionen, und das Fragezeichen, das hinter den Berliner Anteil noch gemacht werden muss, relativiert sich mit Verweis auf den Bund, der wohl im Zweifelsfall einspringen wird. Erfolgreich ist die Besucherbilanz der 17 Staatlichen Museen mit 2,74 Millionen Besuchen - eine geringe Steigerung gegenüber 1999 trotz der Abnahme der Zahl publikumsträchtiger Sonderausstellungen.

Dann aber konzentrierte Lehmann sich darauf, die großen Linien auszuziehen. Das betrifft zum einen die Baumaßnahmen. Für die Museumsinsel sind alle Architekturwettbewerbe abgeschlossen, der letzte, der die Freiflächen zwischen den Häusern zum Gegenstand hat, wird Ende des Monats entschieden. Der Zeitplan sieht Jahr für Jahr sichtbare Schritte auf der "Insel" vor, beginnend am 2. Dezember diesen Jahres mit der Wiedereröffnung der generalsanierten Alten Nationalgalerie durch den Bundeskanzler. So könnte das von Gerhard Schröder im Jahr 1999 bekräftigte Versprechen, die Museumsinsel bis zum Ende des Jahrzehnts fertig zu stellen, tatsächlich eingelöst werden. Und danach, daran ließ Peter-Klaus Schuster als Generaldirektor der Museen keinen Zweifel, kann "Masterplan Zwei" beginnen, mit einem Neubau für die Gemäldegalerie auf dem Areal der "Museumshöfe", wie die frühere Alexanderkaserne am Spreeufer nunmehr genannt wird. Über die dort vorgesehenen Sammlungsdepots übrigens wird bereits jetzt entschieden.

Das zweite Hauptthema war die Position der Preußen-Stiftung im föderalen Gefüge. Lehmann spricht vom "föderalen Programm": Es geht dabei um "Chancen, die wir aus den Sammlungen in die Bundesländer hinein vermitteln können", teils in Gestalt von Wanderausstellungen, die in einer regelrechten Angebotsliste vorgeschlagen werden sollen, teils als Dauerleihgaben für deutsche Museen, im Einzelfall sogar in Form gemeinsamer Museumsneugründungen, wie dies für das nordhessische Arolsen bereits verhandelt wird. Lehmann hat 2005 im Blick: Zu diesem Stichjahr kann das Bund-Länder-Finanzierungsabkommen für die Stiftung gekündigt werden. "Die Länder würden sich schaden, wenn sie aus der Finanzierung ausscheiden", baut der Präsident den ewig wiederkehrenden Spargelüsten vor, betont aber zugleich, dass künftig auf der Museumsinsel "mehr Häuser und mehr Flächen bespielt" werden und ergo höhere Betriebsaufwendungen erfordern. Derzeit zahlen die Länder einen "gedeckelten", also fixierten Beitrag zum Betriebshaushalt der Stiftung (die Baumaßnahmen werden allein von Bund und Berlin bestritten). Ab 2002 werde eine exakte Prognose der künftigen Kostenentwicklung möglich. Dann aber gelte: "Der Deckel muss weg!" Die Kulturhoheit der Länder, hatte Lehmann gleich eingangs formulierte sei "nicht nur verfasste Form, sondern auch gelebte Form".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben