Sprachkolumne : Heiteres Responseraten

Matthies ringt um Worte - again. Heute befasst er sich in seiner Sprachkolumne für Tagesspiegel.de mit dem Dauerstreit um Anglizismen und fördert Beispiele von hoher satirischer Intensität zu Tage.

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Bernd Matthies.
Bernd Matthies.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der Streit um die Anglizismen wird langsam langweilig. Niemand braucht sie, aber es herrscht eine Art Übereinkunft, dass sie in bestimmten Bereichen unserer Gesellschaft als Sprachfarbe eingesetzt werden, die für Modernität und Weltläufigkeit steht. In dieser Lesart hat ein Satz wie „come in and find out“ sachlich nichts zu bedeuten, und es spielt auch keine Rolle, ob er von den potenziellen Kunden verstanden wird oder nicht, weil er nur zum Grundrauschen gehört, das ein um Aufmerksamkeit buhlendes Unternehmen erzeugen möchte. Und wie eine Farbe, so hoffen viele, wird dieser importierte Zierrat von unserer Sprache abblättern und die von ihm zuvor blockierte Projektionsfläche für irgendetwas Neues freigeben. Zumal in der Werbung passiert es ja häufig, dass pseudoenglische Versatzstücke auftauchen und wieder verschwinden.

Und Gegenwehr erscheint immer zweckloser: So gelingt es der von Wolf Schneider und Walter Krämer gegründeten Aktion „Lebendiges Deutsch“ zwar von Fall zu Fall durchaus, einleuchtende und oft auch witzige Entsprechungen zu finden. Natürlich könnten wir den Airbag auch Prallkissen nennen und statt „all you can eat“ auch „Essen nach Ermessen“ sagen. Doch tut das jemand?

Noch weniger Sprachfreunde möchten anscheinend dem französischen Vorbild folgen und die öffentliche Sprache gesetzlich regeln – das halte auch ich nicht für eine zwingend notwendige Aufgabe des Gesetzgebers. Andererseits finde ich gelegentlich monströse Ausnahmefälle, die in mir den Verdacht erregen, dass es ein nebendeutsches Sprachuniversum gibt, dessen Bewohner zu einer geregelten Kommunikation nicht mehr in der Lage sind. Hier ist ein Text, den die österreichische Firma „IQ mobile“ dieser Tage verbreitet hat, und ich bitte um Nachsicht dafür, dass ich ihn wegen seiner geradezu satirischen Intensität in längeren Passagen zitiere:

„Der Pay-TV Anbieter Sky setzte erneut auf Mobile Marketing. Diesmal wurde ein 2-wöchiges SMS-Gewinnspiel mit Voice oder Video-Callback realisiert. Gary Venner fungierte als Testimonial und verhalf Eishockey-kundigen Fans zu einem tollen Gewinn. Die User honorierten diese innovative und zeitgemäße Aktion mit tollen Responseraten. Für den Kunden Sky wurde eine konvergente Mobile Marketing-Kampagne von den Agenturen IQ mobile und move121 umgesetzt.“

Willkommen beim heiteren Responseraten! Man fragt sich, ob die Verfasser dieser Mitteilung überhaupt noch in der Lage sind, sich außerhalb ihres kleinen Kreises Gleichgesinnter verständlich zu machen; wie kauft so einer seine Brötchen? Es sind immerhin mehrere. „Wir freuen uns, dass wir schon die vierte, extrem impactstarke Videopromotion mit Sky machen konnten“, jubelt Michael Wimmer-Lamquet von der Agentur „move121“. Und was macht „move121“ überhaupt, wenn dort gerade nicht die Sprache genotzüchtigt wird? Hier: „Der Focus liegt vor allem auf der Integration von Mobile Marketing Promotions in klassische Werbekampagnen, internationalen Produkteinführungen, auf der Entwicklung impactstarker stand-alone Kampagnen sowie einer langfristigen Implementation dieses Kommunikationstools in den CRM-Prozess des Kunden.“

Ja, Donnerwetter. Das Unheimliche an diesem Neusprech ist die Erkenntnis, dass es vermutlich von keinem Agenturkunden verstanden wird, und dass aber umgekehrt viele Kunden vermutlich enttäuscht wären und die Windmacherei durchschauen würden, würde man mit ihnen in verständlichen Worten reden. Einem Radiologen, der auf seinen Fachjargon verzichtet, trauen wir schließlich auch nicht über den Weg, oder?

Harald Winkelhofer, der Geschäftsführer von „IQ Mobile“, ergänzt die Worte seines Vorredners: „Mobile Ads, in Form von versendeten Persmission SMS wurden erstmalig in die Sky-Kampagne integriert und brachten den Zugang zu einer neuen Zielgruppe und in Folge zahlreiche Neukunden.“ Dass die Kommasetzung mehr als zweifelhaft wirkt und „Persmission“ vermutlich „Permission“ heißen soll, spielt da kaum noch eine Rolle – entscheidend ist, dass ein schillernder Sprachbrei angerührt wurde, den die Verursacher stolz herzeigen können wie ein Pfau seine Federn.

Es ist nun relativ leicht, dies alles als Berufsjargon abzutun und in eine Reihe mit Jägersprache und Seglerschnack zu stellen. Doch immerhin stammen die Zitate aus einer Pressemitteilung, die über Agenturkanäle verbreitet wurde und sich mithin an eine breitere Öffentlichkeit richtet. Und diese Mitteilung kommt aus der Telekommunikations- und PR-Szene, von der wir doch alle erwarten, dass ihre Bedeutung künftig immer weiter zunehmen wird. Mit Kommunikation hat das jedenfalls absolut nichts mehr zu tun.

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