Sprachkultur : "Unwort des Jahres" wird gesucht

Der Ring ist wieder offen: Bis Januar können Vorschläge für das Unwort des Jahres eingebracht werden. Unter den bisher eingegangenen Vorschlägen ist unter anderem auch die Bezeichnung "notleidende Kreditinstitute".

Frankfurt/ MainDie Suche nach dem "Unwort des Jahres 2008" hat begonnen. "Menschenrest" für Schwerstpflegebedürftige, "Morbiditätszuschlag" im Gesundheitsfonds, und "Rentnerdemokratie", von der Ex-Bundespräsident Roman Herzog gesprochen habe, gehören zu 500 Beispielen, die schon vor dem offiziellen Start gesammelt wurden, berichtete der Frankfurter Germanist Prof. Horst Dieter Schlosser am Donnerstag. Zum 18. Mal werden sprachliche Missgriffe gesucht, die im laufenden Jahr besonders negativ aufgefallen sind, weil sie sachlich grob unangemessen sind oder sogar die Menschenwürde verletzen.

Schlosser ist Initiator der sprachkritischen Aktion. Bis zum 9. Januar 2009 sind die Bürger aufgefordert, einzelne Wörter oder Formulierungen aus allen Bereichen wie etwa Politik, Verwaltung oder Medien vorzuschlagen. Auch die Quelle für die Äußerung sollte nach Möglichkeit angegeben werden. Unwortverdächtig sind nach Schlossers Angaben auch "intelligente Wirksysteme" als Beschreibung für eine neuartige Artilleriemunition und "notleidende Kreditinstitute". Die Entscheidung trifft eine unabhängige Jury.

Im vergangenen Jahr war "Herdprämie" zum Unwort des Jahres gewählt worden, nach "freiwillige Ausreise" (2006) und "Entlassungsproduktivität" (2005). 2000 wurde außerdem "Menschenmaterial" zum "Jahrhundert-Unwort" gekürt. Erstmals wurde 1991 ein Unwort des Jahres verkündet. (ut/dpa) 

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