Kultur : Sprungfeder

Über 200 Künstler auf der Berliner Liste

Angela Hohmann

Der Weg zum Molkenmarkt lohnt sich, denn wer kennt schon die alte Münzprägeanstalt, die zu DDR-Zeiten der Kleingeldprägung diente. In dieser Industriearchitektur der 30er-Jahre präsentiert sich die Berliner Liste nach den Worten ihres Leiters Wolfram Voelker als „Entdeckermesse für junge, frische Kunst“ in neuer Form. Die 7. Ausgabe bestreiten kaum mehr zur Hälfte noch Galerien. Hinzugekommen sind Projekträume und Künstler, die sich direkt bewerben – eine Profiländerung, die die Messe dem Kunstsalon angleicht. Insgesamt zeigen 111 Aussteller aus zwölf Ländern – darunter Osteuropa, Israel, Kolumbien und Südkorea – Arbeiten von über 200 Künstlern.

Zu sehen ist viel Malerei, kaum Video und wenig Skulptur. Ein Schwerpunkt widmet sich der Fotografie. Ihrem Anspruch, junge aufstrebende Kunst vorzustellen, wird die Messe jedoch nur bedingt gerecht. Etablierte Berliner Galerien aus dem Mittelfeld, die in den ersten Jahren das Messeprofil mitbestimmten, fehlen. Dennoch gibt es einiges zu entdecken. Etwa die Silver Paintings von Torsten Warmuth (1200-25 000 Euro), der die analoge Schwarz-Weiß-Fotografie auf Silbergelatinepapier im komplexen Prozess ins Malerische überführt. Ebenfalls überzeugen die an Degas erinnernden Tänzer-Porträts von Joachim Manuel Riederer (780-4600 Euro) und die konzeptuelle Installation von Falk von Traubenberg. Dazu fallen malerische Positionen wie die von Juliane Hundertmark (Produzentengalerie) auf, die familiäre Erlebnisse mit religiösen Themen zu grotesken Kompositionen verschränkt (120-16 000 Euro).

An Skulpturen faszinieren die minimalistisch-poetischen Objekte aus Alltagsobjekten wie Nägeln oder Sprungfedern von Lorenzo Belenguer sowie die abstrakt filigranen Skulpturen aus gehäkelten, mit Polyesterharz gehärteten Fäden von Yvette Kaiser Smith (600-2800 Euro). Auffallend sind außerdem Künstler, die mit Holzschnitt arbeiten, wie Luise Dewerny. Im deutlich unterrepräsentierten Bereich Video und Multimedia sind die Arbeit des profilierten estnischen Künstlers Jaan Toomik im Projektraum Vitamiin und die abstrakten Kompositionen von Pia Myrvold auf Multiscreens zu nennen.

Die Künstlerauftritte sind mit Werbemitteln wie Postkarten, Flyern und kleinen Katalogen so professionell, dass man Voelcker durchaus recht geben mag, wenn er in der Selbstpräsentation von Künstlern ohne vermittelnde Instanzen eine Zukunft sieht. Angela Hohmann

Berliner Liste, Molkenmarkt 2, bis 10. 10.; Sa 13-21 Uhr, So 13-19 Uhr. Ticket: 13 Euro, www.berliner-liste.org

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