Kultur : Spuren der Macht

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Was hinter dieser Fassade wohl vor sich geht? Angela Merkel, das wurde zuletzt beim TV-Duell deutlich, ist eine Meisterin des minimalen Mienenspiels. Eine echte Herausforderung für Karikaturisten, deren Aufgabe das Sichtbarmachen von Zusammenhängen und Gedanken ist. Und offenbar eine, die ihnen gefällt. Heiko Sakurai zum Beispiel sagt: „Ich zeichne sie sehr gern, auch wegen ihrer zurückhaltenden und manchmal undurchschaubaren Persönlichkeit.“ Dass Merkel dabei mit den Jahren nicht unbedingt besser wegkommt, habe auch einen praktischen Grund: Je häufiger man ein Gesicht zeichne, desto karikaturistischer sehe es aus, „weil man mit der Zeit immer sicherer weiß, welche Punkte man drastisch hervorheben muss“. Tagesspiegel-Zeichner Klaus Stuttmann hat im Laufe von mehr als 1000 Merkel-Karikaturen ein fast libidinöses Verhältnis zur Kanzlerin entwickelt, wie er sagt: „Frau Merkel ist inzwischen eine Art eingetragene Lebenspartnerschaft von mir.“ Politisch neige er dazu, „ihr eine formidable Altersresidenz zu wünschen, dass sie also die Wahl verliert“. Beruflich sei das etwas anderes: „Da hänge ich an ihr und wünsche, dass sie die Wahl gewinnt.“ Wie die beiden und ihre Berufskollegen NEL, von dem die Karikatur oben links stammt, und Thomas Plassmann (rechts) die Kanzlerin und das übrige politische Personal aufs Korn genommen haben und wie sich ihr Strich unterscheidet, lässt sich jetzt im Sammelband „Prost Wahlzeit!“ nachlesen (Schaltzeit-Verlag, 140 Seiten, 14,90 Euro). Am morgigen Donnerstag sprechen Klaus Stuttmann, NEL sowie Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse und Politikredakteurin Miriam Hollstein im Tagesspiegel-Verlagshaus über das Verhältnis von Politik und Karikaturen (Askanischer Platz 3, 10963 Berlin, Eintritt 16 Euro inklusive Sekt, Snack und Musik. Telefonische Anmeldung unter 29021-520). Lars von Törne

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