Kultur : St.Martin-in-the-Fields in Berlin

ECKART SCHWINGER

Der Musizierstil des renommierten Kammerorchesters zog die Berliner scharenweise ins Konzerthaus.Ausgiebig konnten sie sich wieder an diesem vornehmen Stil delektieren.Denn selbst dort, wo die Academy of St.Martin-in-the-Fields in etwas stürmischere Klanggefilde vordringt, wie bei Michael Tippetts Little Music for Strings, tobt sie nicht, sondern singt noch immer.Was bei der legendären Londoner Truppe mit der Geigerin Iona Brown am Dirigentenpult beeindruckte, war die federnde Flexibilität, die Leichtigkeit, mit der sieeinen unübertrefflichen Edelsound hervorbringt.Mit jener historischen Aufführungspraxis, mit der sich die anderen Londoner Kammerorchester um Hogwood oder Norrington so überaus produktiv auseinandersetzen , hat die "Academy" nichts im Sinn.Sie ist auf hohem Niveau bei der Klangwelt von gestern stehengeblieben.

Den Abend leitete die so distinguiert wie geschmeidig dirigierende Iona Brown mit der Serenade für Streichorchester in e-moll op.20 von Edward Elgar ein.Das von viel Sentiment und idyllischer Stimmungsmalerei durchdrungene Werklein musizierten die Londoner in einem feinziselierten, verblüffend schwerelosen Klangstil.Auf dieser Ebene siedelten sie merkwürdigerweise auch gleich noch Bachs d-moll-Klavierkonzert an.Ian Brown, ein musikalisches Multitalent mit den gediegenen pianistischen Fähigkeiten eines Solokorrepetitors, spielte es auf dem Konzertflügel in einer unangenehm aufgeweichten, romantisierend-säuselnden Art.Die wenigen energievollen Ansätze verflüchtigten sich rasch - und alles wirkte wieder watteweich und verschwommen.Der vorweggenommene Beethovensche Themenzuschnitt in den Ecksätzen, überhaupt der Kontrastreichtum, die ganze Ausdrucksschärfe des Werkes entging beiden Browns.Bei den Metamorphosen für 23 Solostreicher von Richard Strauss kam schließlich die Fähigkeit dieses Eliteensembles, eine außergewöhnliche Gesanglichkeit zu produzieren, voll zur Entfaltung.Die 23 Streicher verfügen tatsächlich allesamt über die Qualitäten von Solisten und sind zu vielfältigstem Farbzauber, zu einem instrumentalen Belcanto sondergleichen fähig.Das war unter der sehr engagierten Iona Brown ein exzellent gespielter Strauss mit belebendem Elan, mit legatoreichem, großem Glanz und einem dynamisch sehr differenzierten Spannungsvermögen.Das bringen die Dresdner und Wiener Strauss-Orchester nicht bessser.Und das erhellt auch den heutigen ästhetischen Standort, die großen Stärken des kleinen Londoner Orchesters.

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