Staatliche Museen Berlin : Wo bitte geht’s zur Gemäldegalerie?

Verdächtig lang ist es still gewesen um die Generalplanung der Staatlichen Museen Berlin. Die glanzvolle Eröffnung des Neuen Museums auf der Museumsinsel im Oktober steht an, da sind die Zeichen eigentlich auf Jubel gesetzt. Nun gießt ein Interview von Museumsgeneral Michael Eissenhauer etwas Wasser in den Wein.

Christina Tilmann

Haushaltssperre für die Staatlichen Museen, keine neuen Sonderausstellungen oder Kataloge, eine Absage an Großevents und Glamour und vor allem: vorerst kein Umzug der Gemäldegalerie auf die Museumsinsel, wie es der Masterplan III seines Vorgängers PeterKlaus Schuster vorsah. Eiszeit mitten im Sommer, so klingt die in der „B.Z.“ verkündete Botschaft des seit Herbst 2008 amtierenden Generaldirektors.

Im Gespräch mit dem Tagespiegel wiegelt Eissenhauer dann ab: Alles nicht so dramatisch. Das strukturelle Defizit hofft man im nächsten Jahr mit dem zu erwartenden Besucheransturm aufs Neue Museum sowie einer nach der Sommerpause zu verhandelnden Mittelerhöhung bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in den Griff zu bekommen. Eher pragmatisch klingt auch das Vorgehen für die einzelnen Häuser. Die Baupläne für die Gemäldegalerie auf der Museumsinsel, das sei ohnehin Zukunftsmusik gewesen, so etwa ab 2020, und die Finanzierung, die als Public-Private-Partnership angedacht war, steht in den Sternen. Also lieber vor der eigenen Haustür gekehrt – Eissenhauers Büro liegt in der Stauffenbergstraße, hinter der Gemäldegalerie – und das Kulturforum gestärkt, auf dass es mit den baldigen Attraktionen auf der Museumsinsel (Neues Museum) und irgendwann auch auf dem Schlossplatz (Humboldt-Forum) konkurrieren kann.

Also konkret: Die Gemäldegalerie bleibt, wo sie ist, wobei man über eine bessere Erkennbarkeit des Gebäudes durchaus nachdenkt. Und die Kunst des 20. Jahrhunderts, die Schuster noch in die Gemäldegalerie umsiedeln wollte, kommt wieder in die Neue Nationalgalerie – und dort zu höchsten Ehren. „Ich habe nie verstanden, dass wir diese Inkunabel des 20. Jahrhunderts in der Stadt des 20. Jahrhunderts haben, und dann zeigen wir dort nicht die Moderne“, erläutert Eissenhauer. „Es geht hier um den Aufbruch der Moderne, um die Kunst, die die Nationalsozialisten hier in Berlin kaputt gemacht haben. Die ganze Nachkriegsgeschichte der Nationalgalerie ist ein einzige Bemühung, diesen Verlust wieder auszugleichen. Mein Ziel ist also, darin bin ich mir mit Udo Kittelmann einig, die Kunst des 20. Jahrhunderts in dem symbolisch kaum zu überbietenden Ort des Mies-vander-Rohe-Baus zu belassen.“

Und die großen Wechselausstellungen, die regelmäßig in der Neuen Nationalgalerien zu sehen sind? Eissenhauer sieht mehrere Möglichkeiten: Vielleicht in der James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel? Oder im Glaskubus der Neuen Nationalgalerie (der aber schwer zu bespielen ist)? Es gibt noch den Gropius-Bau und die ziemlich unattraktiven Sonderausstellungshallen auf dem Kulturforum. Spektakuläres wie die MoMA-Ausstellung wird man für diese Orte kaum bekommen. Aber offenbar stehen die Zeichen in der Generaldirektion zurzeit mehr auf Bestandswahrung. Christina Tilmann

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